 mit seiner Schlangenklugheit
nicht auch die Falschlosigkeit einer Taube verbinde.
    Dieser Mann hatte lange mit Widerwillen angesehen, dass er bei dem Drucke der
so gut verkäuflichen Werke des Kollegianten nichts als nur der Namenleiher sein
sollte. Besonders war ihm dieses bei dem gelehrten Tagebuche aufgefallen, wovon
er monatlich eine große Anzahl Exemplare absetzte, zu seinem Missvergnügen, weil
ihm bei jedem Exemplare einfiel, dieses Werk sollte eigentlich sein Eigentum
sein und nicht des Kollegianten, der dabei nur die Kleinigkeit tat, dass er es
schrieb. Indes da der Kollegiant ein reicher und angesehener Mann war und der
eine zahlreiche Bibliothek hielt, so musste van der Kuit schon sein Missvergnügen
in sich schlucken. Da aber Sebaldus, ein armer unbekannter Fremdling, das
Eigentum dieses Werks erhielt, sah der erfahrne Buchhändler keinen Grund, warum
er mit demselben ferner ebensoviel Nachsicht haben sollte. Er setzte also bei
sich fest, er müsse dieses Werk einst ganz an sich ziehen. Zu diesem Behufe
hatte er dem Sebaldus einige wohlausgesonnene Vorschläge getan, welche dieser,
der in Geschäften ziemlich kurzsichtig war, sich sehr leicht würde haben
gefallen lassen; wenn nicht van der Kuit, der zu viel Absichten auf einmal
erreichen wollte, ihm zugleich ein paar Mitarbeiter hätte aufdrängen wollen, die
zwar nach van der Kuit's, nicht aber nach Sebaldus' Absichten würden gearbeitet
haben. Er bekam also eine ausdrückliche abschlägige Antwort. Diese
Widerspenstigkeit eines Autors brachte ihn nicht wenig auf und bestärkte ihn in
seinem löblichen Entschlusse, das Journal zu besitzen und zugleich es nach
eigenem Gefallen zu regieren.
    Dieser Plan lag ihm beständig im Sinne, zumal da er seine Ehre dabei
interessiert glaubte, nachdem einmal ein Schritt deshalb von ihm getan war. Da
er nun jetzt über das Schicksal von Sebaldus' Übersetzung spekulierte und
einesteils wohl erwog, sie möchte verkäuflich sein, andernteils aber auch
Verdrießlichkeiten mit der Geistlichkeit besorgte, durch deren Kundschaft er so
manche schöne uitlegkundige Vermaaklykheeden, Verklaaringen und Leer-Reeden
verkaufte, so konnte er mit sich gar nicht einig werden, wie der Gewinn davon
mit rechter Vorsicht und doch unbeschnitten könnte erlangt werden.
    Mit einem Male fing seine Spekulation an, einen andern Weg zu nehmen. Er
hängte das Angesicht, krümmte die Unterlippe, legte den Zeigefinger der linken
Hand an die Nase, und endlich schien es ihm ganz natürlich vor Augen zu stehen,
dass durch diese Übersetzung, auch wenn sie nicht gedruckt würde, das gelehrte
Tagebuch sein Eigentum werden müsste. Diese wichtige Entdeckung machte ihn
unruhig; er ging aus seiner Schreibstube in den Laden, aus dem Laden in die
Schreibstube, schnalzte mit den Fingern, rückte die Perücke, zog die Beinkleider
auf, rieb sich die Hände, eilte mit Sebaldus' Übersetzung nach Hause, die er,
ohne
