 noch des Sebaldus weise Betrachtungen unterdrücken, die
sich den Rest des Tages über beständig dazwischenmischten. Und nun legten sie
sich beiderseits in einer solchen Gemütsverfassung schlafen, dass, wenn sie
vierundzwanzig Stunden vorher darin gewesen wären, Sebaldus sowenig würde
gepredigt haben: Sterbet freudig für das Vaterland!, als Wilhelmine ihn dazu
würde haben ermuntern wollen.
 
                               Dritter Abschnitt
Indes erscholl die Nachricht von dieser Predigt und von ihren Folgen bald bis in
die fürstliche Residenz. Sebaldus hatte im Konsistorium zwei sehr mächtige
Feinde. Zuerst den Präsidenten, zugleich ein Ehrenmitglied verschiedener
deutschen und lateinischen Gesellschaften. Er fertigte viele sehr fliessende
deutsche Reime und viele sehr deutliche lateinische Chronodistichen auf alle am
fürstlichen Hofe vorfallenden Galatage, auf alle Landplagen, als Heuschrecken,
Hagel, feindliche Einfälle, auf alle Promotionen der ihm untergebenen
Konrektoren und Landprediger. Wilhelmine, als eine feine Kennerin, glaubte sich
dem falschen Geschmack, der in ihrem Vaterländchen beschützt ward, widersetzen
zu müssen. Sie sprach daher bei jeder Gelegenheit von den deutschen Versen des
Präsidenten überaus verächtlich, und seine lateinische Chronodistichen wusste sie
aus dem »Zuschauer« mit einer Reihe Soldaten zu vergleichen, in welcher einige
Riesen zwischen einer Anzahl Zwerge ständen. Nun ist es bekannt, dass alle
Dichter sehr empfindlich und die schlechten gemeiniglich die empfindlichsten
sind. Es lässt sich also leicht erachten, wie der Präsident es für einen
unerhörten Eingriff in die Landesverfassung und die gute Subordination halten
musste, dass eine Landpfarrerfrau sich über die Verse eines Mannes wie er
öffentlich aufhalten dürfte, und wie er keine Gelegenheit werde verabsäumet
haben, seinen Widerwillen wider den guten Geschmack der Frau den Mann empfinden
zu lassen. Der zweite Feind des Sebaldus war der Generalsuperintendent Doktor
Stauzius, der ehemalige Dorfpfarrer, der unsern Sebaldus mit Wilhelminen
getrauet hatte, der wilde Mann, der so gern vom Obersten Menzel und vom lustigen
Treffen zu Rossbach sprach. Er hatte kurz nach Sebaldus' Heirat die von diesem
verschmähte Ausgeberin des Präsidenten geheiratet und war dadurch
Generalsuperintendent geworden. So wie er am Stande zunahm, wuchs auch sein
Eifer für die Ortodoxie, und er ließ sich zum Doktor der Theologie machen, um
einen doppelten Beruf zu haben, sich der Ortodoxie alles Fleißes anzunehmen. Er
erhielt auch im Lande eine solche Einförmigkeit in der Lehre wie ein Hauptmann
in einer wohleingerichteten Kompanie Soldaten, wo jeder Rock so lang als der
andere, jeder Zopf so dick als der andere, jede Stiefelette so hoch aufgeknüpft
ist als die andere und die sich nie nach ihrem eigenen Willen, sondern bloß nach
dem Winke ihrer Obern beweget. Jeder Prediger, der nur den geringsten Geruch von
Ketzerei an sich spüren ließ, wurde abgeschafft. Dadurch ward das Ländchen so
rein gehalten, dass nur der einzige Sebaldus auf der schwarzen Liste stand.
Doktor Stauzius hatte
