 zwanzig Jahre lang bei der Herausgabe und bei dem Abdruck
beständig alles beobachtet hatte, was die Gesetze des Staats vorschreiben. Von
Leuten, welche sich dieses erlaubten, durfte man alles Widrige erwarten, auch
fehlte es nicht an Proben, dass sie sich gern mehr erlaubt hätten. Es ist hier
nicht der Ort, auseinanderzusetzen, auf welche so niedrige als heimtückische Art
man mich in beständige Verlegenheit zu setzen suchte. Sollte es einmal an einem
andern Ort geschehen, so würden die Leser erstaunen.
Ich bin genötigt, dieses hier anzuführen, weil die Folgen des Einflusses
gemissbrauchter öffentlicher Gewalt sich auch bis auf dieses Leben des ehrlichen
Sebaldus Notanker erstreckten. Die dritte Auflage war seit beinahe vier Jahren
erschöpft und kein Exemplar zu haben. Es wäre schon damals eine neue Ausgabe
nötig gewesen, aber selbst so wohlwollende als einsichtsvolle Männer rieten mir
ernstlich davon ab: denn jene Menschen, welche sich schon soviel erlaubt hatten,
würden ihre auffallende Ähnlichkeit mit dem verfolgenden Stauzius erkannt und
entweder den Abdruck gehindert haben, oder sie hätten gleich wie bei der
»Allgemeinen deutschen Bibliothek« gerufen, dass die Religion in Gefahr sei, und
hätten, wie sie so oft taten, die symbolischen Bücher, denen sie selbst nicht
einmal folgten, zum Vorwande ihrer Rache und Herrschsucht gebraucht.
Jetzt, da unter der Regierung Königs Friedrich Wilhelm III. Heuchelei und
Aberglauben in die verdiente Verachtung zurückfallen und jeder freimütige Mann
sein Haupt emporheben darf, erscheint diese neue Ausgabe im wesentlichen
ungeändert. Nur ist in der Schreibart vieles verbessert, und es sind einige
wenige Anmerkungen hinzugekommen, wodurch manche Anspielungen auf allerhand
literarische Vorfälle der ehemaligen Zeit erklärt werden. Viele gelehrte
Erfindungen und Merkwürdigkeiten bleiben gar kurze Zeit merkwürdig und
verständlich, so ernstaft und wichtig sie auch bei ihrer Entstehung von den
gelehrten Herren behandelt werden; daher bedarf eine Schrift, welche davon
redet, nach zwanzig Jahren mancher Erläuterung. Ob die Gemälde der Heuchelei,
der Verfolgungssucht, der Futilität sowie der Gutherzigkeit, der Wahrheitsliebe
und überhaupt der menschlichen Sitten und Leidenschaften, welche in diesem Buche
vorkommen, noch jetzt ähnlich und ohne weitere Erklärung verständlich sein
möchten, muss ich dem Leser zu beurteilen überlassen.
Die vorigen Ausgaben wurden von dem berühmten Herrn Daniel Chodowiecki mit sehr
charakteristischen Kupferstichen geziert. Die gegenwärtige Ausgabe zierte der
berühmte Herr Johann Wilhelm Meil mit Kupferstichen, in ihrer Art ebenso
vorzüglich. So hat dieses Buch das Glück, dass zwei Künstler in Berlin, welche in
charakteristischen kleinen Bildern jeder in seiner Art einzig sind, dasselbe
durch ihre Kunst verschönerten.
Es ist in mehrere fremde Sprachen übersetzt. Die rühmlich bekannte Madame de la
Fite1 im Haag lieferte in Gesellschaft des jetzigen Königlichen Geheimen
Legationsrats Herrn Renfner (welcher damals im Haag als Königlicher
Gesandtschaftssekretar stand) die vorzüglichsten Stellen aus dem
