 und kürzlich den Informator, dem der gnädige Herr eine erledigte
Pfarre gegeben hätte, geheiratet habe.
    Sie erdichtete diese Nachricht nicht ohne besondere Absichten. Zufolge ihrer
beständigen Leidenschaft, ihre Familie zu erheben, wünschte sie, dass ihr Neffe
eine Adelige heiraten möchte. Ihre Augen waren dabei auf das Fräulein von
Ehrenkolb gerichtet, die von altem Adel, aber nicht von großem Vermögen war und
mit ihrer Mutter, einer Witwe, auf einem kleinen Gute in der Nachbarschaft
wohnte. Die Frau von Hohenauf zweifelte nicht, dass die Frau von Ehrenkolb durch
den großen Reichtum, welchen der junge Säugling als ein einziger Sohn zu
erwarten hatte, leicht bewogen werden könne, in diese Heirat zu willigen. Sie
sah schon in Gedanken, der alte Säugling, da er bereits ein Rittergut besitze,
werde sich adeln lassen und seinem Sohne eine ansehnliche Bedienung kaufen; und
nun wiegte sie sich schon im voraus mit dem angenehmen Traume, dass durch ihn
ihre Familie in ein paar Generationen zu den angesehensten des Landes gezählet
werden könne.
    Die Frau von Hohenauf hatte ihrem Neffen von diesen ihren politischen
Absichten noch nichts gesagt; und er konnte sich ihm so fremde Gedanken nicht
aus eigenem Triebe in den Kopf kommen lassen: denn er war bloß mit seinen
Gedichten und mit seiner Liebe zu Marianen beschäftigt. Seitdem er von ihr so
plötzlich war geschieden worden, gang er gar fleißig an sie gerichtete Lieder
und las sie in der Deutschen Gesellschaft des Ortes vor. Diese Sammlung hatte er
kurz vor seiner Abreise unter die Presse gegeben. Er war, wie jeder junge Autor,
über den Gedanken, dass seine Gedichte gedruckt würden, vor Freuden außer sich
und ergötzte sich dabei mit den angenehmsten Träumen, welche zärtliche Szenen
erfolgen würden, wenn er einmal von Marianen Nachricht erhalten und ihr diese
Folge von Gedichten überreichen sollte. Man urteile also, wie groß sein Schmerz
sein musste, zu hören, dass Mariane seine Liebe leichtsinnigerweise sollte
vergessen haben und dass folglich alle diese zärtlichen Liebesseufzer ihre
Wirkung verfehlen würden. Zwar gehörte er nicht zu den starken, selbständigen
Seelen, welche, wenn ihnen ihre Geliebte vor dem Munde weggeheiratet wird, sich
notwendig erschießen oder in einen Fluss stürzen müssen; dennoch irrte er oft
trostlos in dem nahe gelegenen Walde, achtete weder Wind noch Regen, sondern
klagte dem Echo und den murmelnden Bächen seine Not. Er sang manche Lieder voll
verliebter Verzweiflung und endlich eins, worin er der Liebe ganz und gar
entsagte. Dies letztere gefiel ihm außerordentlich, denn es schien ihm
feierlicher als alle seine vorigen Lieder. Sein verliebter Schmerz brachte also
neue Geisteswerke hervor und ward durch das Wohlgefallen daran nach und nach
gelindert.
 
                               Zweiter Abschnitt
Die Frau von Ehrenkolb nebst ihrem Fräulein Tochter begaben sich auf geschehene
Einladung nach dem Gute
