 mit Hilfe der arabischen Sprache eine große Menge Erklärungen aus
der Schrift, wodurch die vornehmsten Artikel der Dogmatik zweifelhaft gemacht
wurden, und war jetzt eben im Begriffe, mit diesem Schatze neuer Entdeckungen
ins Brandenburgische zu reisen, wo sie, wie er gewiss glaubte, Ware für den Platz
sein müssten.
    Dieser Mann wandte sich sogleich an Sebaldus als an einen Gelehrten und
suchte ihm einen hohen Begriff von seinen Entdeckungen beizubringen. Er bewies
ihm weitläuftig, die hebräische Sprache sei gänzlich ausgestorben, und ohne die
arabischen Wurzeln sei an keine Palingenesie derselben zu gedenken. Er legte ihm
daher verschiedene ganz nagelneue Erklärungen vor: zum Beispiel, dass im I. Buch
Mose, XLIX, Vers 10, wo man einige Jahrhunderte lang den Messias zu finden
geglaubt habe, von einer Überschwemmung die Rede sei; dass Buch der Richter, VII,
Vers 13, wo Luther von gerösteten Gerstenbroten redet, von einem aus der Scheide
gezogenen Schwerte verstanden werden müsse und dergleichen schöne Sächelchen
mehr. Sebaldus, der kein Freund vom Exegesieren, am allerwenigsten von einer so
ausschweifenden Exegese war, schwieg ganz still, bis ihn der Fremde zu
wiederholten Malen fragte, was ihm von dieser Erklärungsart dünke und ob sie
nicht völlig neu und sehr sinnreich sei.
    Sebaldus sagte ganz kalt: »Neu und sinnreich mag sie sein; aber ich sehe
auch wohl, dass man mit einer solchen Erklärungsart leicht Schwarz in Weiß
verwandeln und einen Autor sagen lassen kann, was man will.«
    Der Fremde, der laute Bewunderung erwartet hatte, fing nochmals an, mit sehr
beredten Gründen dazutun, dass die Bedeutungen der hebräischen Wörter
verlorengegangen wären und dass man in den Wurzeln der verwandten Sprachen,
besonders der arabischen, diese Bedeutungen wieder auffinden müsse.
    Sebaldus versetzte: »Es scheint mir ganz unmöglich, die genauen Bedeutungen
der deutschen Wörter, wenn sie ganz verlorengegangen wären, nach ein paar
tausend Jahren in den Wurzeln der dänischen, schwedischen und engelländischen
wiederzufinden. Wer die deutsche Sprache nur in den Wurzeln kennte und zum
Beispiel im Dänischen die Wurzelwörter Tisch, Topf und Nacht gefunden hätte und
nun daraus schließen wollte, Nachttisch und Nachttopf müssten Sachen von einerlei
Art sein und beide nur in der Nacht gebraucht werden, dem würde es gerade so
gehen wie unsern heutigen arabischen Philologen. Ich habe kürzlich eine Schrift
des berühmten Reiske50 gelesen, der die Unmöglichkeit zeigt, die arabische
Sprache jetzt schon auf die hebräische anzuwenden. Er versichert, dass noch nicht
der tausendste Teil der nützlichen arabischen Manuskripte bekannt ist und
gebraucht werden kann; dass die meisten Theologen, die das Hebräische aus dem
Arabischen meistern wollen, aus des Golius Lexikon nur eine sehr dürftige
Kenntnis erschnappt haben oder aufs höchste ein paar Suren aus dem Alkoran lesen
können; dass wir selbst vom Alkoran
