 zu übersehen und zu vermehren. Nachdem er
länger als einen Monat damit zugebracht hatte, fing er an, der müßigen Lebensart
überdrüssig zu werden, und wünschte sich wieder eine ordentliche Beschäftigung.
In der fürstlichen Residenzstadt hatte er kein Amt zu hoffen. Zu Herrn F.
zurückzukehren, trug er kein Belieben, und andere Aussichten konnte er in Berlin
nicht wohl haben. Es fügte sich aber, dass ein gewisser Edelmann, der vormal am
fürstlichen Hofe Kammerjunker49 gewesen war und nachher im Holsteinischen
ansehnliche Güter erheiratet hatte, vom Hieronymus einen Aufseher seiner
Bibliothek und seines Antiquitätenkabinetts verlangte. Sebaldus ließ sich leicht
bereden, die Stelle anzunehmen. Hieronymus gab ihm einen Empfehlungsbrief an den
Kammerjunker mit; und weil er eben an der magdeburgischen Grenze Rechnungen für
verkauftes Getreide abzutun hatte, so setzte er sich mit demselben auf die Post,
um ihn, so weit sein Weg ging, zu begleiten.
    Nachdem sie einige Meilen gereist waren, gesellte sich zu ihnen ein Mann zu
Pferde, der wie ein Verwalter aussah und den Hieronymus als einen Bekannten
begrüßte; und in der folgenden Station bestieg den Postwagen, nebst andern
unbedeutenden Reisenden, ein Mann ernstaften Ansehens, der ihnen nach der
ersten Begrüßung selbst sagte, er sei ein Gelehrter und sein Hauptstudium die
arabische Sprache. Er galt in der Tat, wie man nachher unterderhand erfahren
hat, auf ein paar kleinen Universitäten für einen grundgelehrten Mann, der
Hebräisch, Arabisch, Persisch, Syrisch, Samaritanisch, Phönizisch und Koptisch
aus dem Grunde verstehe. Er hatte nicht allein, gleich andern Kennern der höheren
Exegese, das Hebräische durch das Arabische zu erklären gesucht, sondern war
auch auf eine Höhe gestiegen, die noch kein anderer Exeget erreicht hatte,
nämlich zu dem Versuche, das Arabische durch das Hebräische in helleres Licht zu
setzen. Er war in Leipzig gewesen, wo freilich seine gerühmte arabische Kenntnis
bei Reisken nicht großen Beifall gefunden haben soll, welcher glaubte, dass sie
sich nicht weit über des Golius Lexikon erstrecke. Unser Mann hielt dies aber,
wie billig, für Neid, und wandte sich nach Wittenberg. Er hatte eine Sammlung
der vermittelst des Arabischen von ihm neuentdeckten Beweissprüche der Bibel bei
sich, wodurch die vornehmsten Artikel der Dogmatik noch mehr befestigt würden;
und er glaubte dadurch in dieser ortodoxen Stadt gewiss eine ansehnliche
Belohnung oder Beförderung zu erhalten. Aber zu seinem Erstaunen hielten auch
dortige Doktoren der Gottesgelehrteit seine neuen Beweisstücke für ganz
überflüssig, weil sie meinten, die Dogmatik sei durch die »Augspurgische
Konfession« und durch das Konkordienbuch befestigt genug. Zum Glücke konnte ihm
seine arabische Gelehrsamkeit so gut dienen als weiland dem Ritter Hudibras
seine Logik:
... who wou'd dispute,
Konfute, change hands, and still confute.
Er zog also
