
Reiche abgezwackt hätten. Da nun Frankreich außer dem vielen und öfteren Unheile,
das es auf deutschem Boden angerichtet hatte, sich auch sogar in des Sebaldus
Hausangelegenheiten mengte (denn er ließ sich's nicht ausreden, dass bloß die
Neigung zum Französischen Ursache sei, dass ihn Wilhelmine nicht so herzlich
liebte, als er's wünschte), so verdoppelte sich sein Hass gegen alles, was
französisch war. Weil er nun sonst kein Mittel sah, seinen Unwillen auszulassen,
so wandte er sich mit Ernst zu seiner allgemeinen Zuflucht, der Apokalypse, und
forschte nach, ob denn in diesem Magazine von Weissagungen nicht eine Weissagung
wider die Franzosen enthalten sein sollte.
    Es hat einer von den zweihundert schwäbischen tiefsinnigen Erklärern der
Offenbarung Johannis es als einen sichtbaren Beweis der wirklichen göttlichen
Inspiration dieses Buchs angegeben, dass man alles darin finde, was man mit
aufrichtigem Herzen darin suche. Dies erfuhr auch Sebaldus. Denn da er die
Apokalypse mit einem Seitenblicke auf Frankreich las, so schien ihm dies dunkle
Buch ganz klarzuwerden, und er glaubte sich zuletzt überzeugt, dass ein großer
Teil der apokalyptischen Bilder nichts als ein Kompendium der französischen
Geschichte wäre, welches vor dem Hainault und Mezeray nur den einzigen Vorteil
habe, dass es etwas über tausend Jahre eher geschrieben worden sei, als die
Begebenheiten vorgingen. Er war fest versichert, dass die große Babylon im XVII.
Kapitel weder die Stadt Rom noch die Freimaurerei, sondern die Stadt Paris
andeute. Die Bedeutung der beiden Tiere im XIII. und XVII. Kapitel konnte er aus
dem Propheten Daniel erläutern, den er deshalb ausdrücklich, nach der
nürnbergischen Übersetzung, durchgelesen hatte. Die Entdeckung aber, worauf er
sich am meisten einbildete, war, dass die Zahl des zweiten Tieres, 666 oder kxs,
die Jesuiten bedeute, deren Verjagung aus Frankreich er wirklich einige Jahre
eher wusste, als der Herzog von Choiseul daran gedacht hatte. Nebenher war er
auch versichert, das Büchlein im X. Kapitel, das im Munde süß war wie Honig und
hernach im Bauche grimmete, müsse offenbar auf die vielen schlüpfrigen,
sittenverderbenden französischen Duodezbände gedeutet werden, die wir Deutschen
mit so vieler Begierde lesen. Alle diese und mehrere neue Entdeckungen über die
Apokalypse gediehen in kurzem zu einem großen Werke, woran unser Sebaldus
unablässig arbeitete.
    Freilich hatten diese gelehrten Bemühungen nicht ganz den Beifall der
schönen Wilhelmine. Sie warf sich zwar nach ihrer gänzlichen Entfernung vom Hofe
in die Literatur, so wie sich die vom Hofe verwiesenen französischen Damen in
die Devotion werfen, aber diese Literatur war von derjenigen, die Sebaldus
trieb, himmelweit unterschieden. Wilhelmine war eine schöne Geistin. Alle gute
deutsche und französische Dichter hatte sie so fleißig gelesen, dass sie in der
Konversation nicht selten Stellen daraus
