 Kamfalu gestiftet hätte. Eine von den Regeln ihres Ordens,
die keine Ausnahme zuließ, war, kein Mitglied in denselben aufzunehmen, welches
sich nicht durch eine fechtermässige Gestalt und eine blühende Gesundheit zu
dieser Ehre legitimieren konnte. Aber was ihnen am meisten Ansehen und Vorteile
verschafte, war der Ruf, ein besonderes Geheimnis wider die Unfruchtbarkeit zu
besitzen. Man versichert, dass in den Zeiten, da die aufs höchste gestiegenen
Ausschweifungen ihre schädlichen Folgen zum Nachteil der Bevölkerung am
stärksten geäußert, die edelsten Geschlechter von Scheschian die Erhaltung ihres
Stammes lediglich dem geheimen Mittel der Kamfalu zu danken gehabt hätten. Ein
Verdienst, wodurch sie, nach dem Urteile der Staatskundigen, sich ein so starkes
Recht an die öffentliche Dankbarkeit erwarben, dass selbst der große Sultan Tifan
, da er alle Arten von herum schweifenden Bonzen gänzlich aufhob, die einzigen
Fruchtbringenden, als Leute die dem Staate wichtige Dienste geleistet hätten,
bei ihrem alten Vorrecht erhielt, auf Kosten ihrer freiwilligen Wohltäter müßig
zu gehen.«
    »Ich finde«, sagte Schach-Gebal, »diese Achtung des Sultans Tifan für die
Verdienste der Fruchtbringenden um so lobenswürdiger, da ich versichert bin, dass
die Erben, womit der Adel von Scheschian durch ihre Vermittlung versehen wurde,
stärkere Sennen und frischeres Blut in die Familien brachten, und also tüchtig
wurden, die Stammväter einer markigern Nachkommenschaft zu werden. Indessen
sollte nichts wundern, wenn die Ya-faou nicht aus dem nämlichen Grunde einiges
Recht an die Nachsicht des Königs Tifan gehabt hätten.«
    »Sire«, versetzte Danischmend, »das herbe und abschreckende Aussehen,
welches diese letztern sich gaben, scheint ihnen größten Teils die Gelegenheit,
sich um die höheren Klassen des Staats verdient zu machen, abgeschnitten zu
haben. Vermutlich fehlte es ihnen an gutem Willen nicht; aber da sie aus der
feinen Welt gänzlich ausgeschlossen waren, sahen sie sich genötigt, ihn bei den
geringeren Klassen gelten zu machen, wo ihr Beistand, wenigstens in Rücksicht auf
den Staat, gänzlich in Verlust ging, folglich nichts Verdienstliches haben
konnte.«
    Nachdem Danischmend von den verschiedenen Gattungen und Arten der
scheschianischen Bonzen, von ihren Grundsätzen, von ihrem Götzendienste, von
ihrer vorgegebenen Zauberkunst, von dem Orakel der großen Pagode, und besonders
von den Mitteln, wodurch sie sich eine beinahe unumschränkte Gewalt über die
Köpfe und über die Beutel der Scheschianer zu erwerben gewusst, umständliche
Nachricht gegeben; lässt er sich in eine weitläufige, und für jeden andern als
den Sultan Gebal tödlich langweilige Erzählung gewisser Streitigkeiten ein,
welche um sehr unerheblicher Dinge willen unter diesen Bonzen entstanden sein,
und durch die unvorsichtige Teilnehmung des Hofes an denselben Gelegenheit
gegeben haben sollen, dass die Nation sich in verschiedene Parteien zerspaltet,
aus deren heftigem Zusammenstoß endlich einer der
