 Welt er will, und sollte es
Kappadocia, Pontus, oder Mysia sein, zu liefern, welches nicht voller
Anspielungen zu sein scheinen sollte.
    Diese und andre Gründe des lateinischen Übersetzers hätten uns vielleicht zu
einer andern Zeit überzeugen, und bewegen können seinem Beispiele zu folgen.
Aber in den Tagen, worin wir leben, kann die Behutsamkeit in Dingen dieser Art
kaum zu weit getrieben werden. Der kleinste Anlass, den wir wissentlich dem
Leichtsinn und Mutwillen unsrer Zeiten gegeben hätten, durch die schalkhaften
Wendungen, die auch der mittelmässigste Witz in seiner Gewalt hat, unsrer
Erzählung einen unechten Sinn anzudichten, würde in unsern Augen alle guten
Eindrücke überwiegen, welche wir uns, ohne übertriebene Erwartungen zu hegen,
von dieser Geschichte der Könige in Scheschian versprechen. Nichts ist in unsern
Tagen überflüssiger als Feldzüge gegen Aberglauben und Tartüfferei. Es sind
Zeiten gewesen (kein Vernünftiger wird es leugnen), wo man sich durch Kämpfe mit
diesen Feinden der Religion und der bürgerlichen Gesellschaft Verdienste machen
konnte. Aber sie sind nicht mehr. Andre, in ihren Folgen ungleich mehr
verderbliche Ausschweifungen, Geringschätzung der Religion und Ruchlosigkeit,
gewinnen unvermerkt immer mehr Grund; die ehrwürdige Grundfeste der Ordnung und
der Ruhe der menschlichen Gesellschaft wird untergraben, und unter dem Verwande,
einem Übel, welches größten Teils eingebildet ist, zu steuern, arbeitet der
zügellose Witz, in den Mantel der Philosophie eingehüllt, der menschlichen Natur
ihre beste Stütze, und der Tugend ihre wirksamste Triebfeder zu entziehen. In
einem solchen Zeitpunkte können diejenigen, welche es mit der Menschheit wohl
meinen, nicht zu vorsichtig sein; und bloß aus dieser Betrachtung haben wir
geglaubt, der Welt einen größeren Dienst durch die Unterdrückung der besonderen
Umstände der Religionsgeschichte von Scheschian als durch die Mitteilung
derselben zu erweisen.
    Damit aber gleichwohl der Zusammenhang des Ganzen nichts dadurch verliere,
haben wir für nötig gehalten, dem Leser einen Auszug aus der Erzählung des
Philosophen Danischmend mitzuteilen, welcher ihn in den Stand setzen möge, von
dem schlechten Zustande der alten scheschianischen Verfassung über diesen Punkt,
von den Verdiensten, welche sich der Sultan Ogulum sie erworben, und von dem
Zwiespalt, der das Reich zu Azors Zeiten erschütterte, sich wenigstens einen
allgemeinen Begriff zu machen.
»Nach dem Beispiele der Ägypter und andrer abgöttischen Völker, verehrten die
Scheschianer einen Affen, als den besonderen Schutzgott ihrer Nation; und, wie
alle asiatischen Länder, wimmelte Scheschian von Bonzen, deren hauptsächlichste
Beschäftigung war, das verblendete Volk in der gröbsten Verfinsterung des
natürlichen Lichtes, und in einem ihnen allein nützlichen Aberglauben zu
unterhalten. Unter den verschiedenen Gattungen derselben, welche Danischmend
schildert, begnügen wir uns, nur zweier zu erwähnen, deren Institut uns
Europäern unglaublich scheinen müsste, wenn wir nicht aus der Sammlung der so
