 unter allen diesen mannigfaltigen Schöpfungen erhob sich ein wahrer
Feenpalast; Marmor, Jaspis und Porphyr waren die geringsten Materien, woraus er
zusammen gesetzt war; und alle Manufakturen von Indien, Sina und Japan wurden zu
seiner Ausschmückung erschöpft. Die Gärten, die ihn umgaben, prangten mit den
schönsten Gewächsen des ganzen Erdbodens, welche mit so guter Ordnung ausgeteilt
waren, dass man mit jeder höheren Terrasse, die man bestieg, sich in ein anderes
Klima versetzt glaubte. Die schönsten und seltensten Vögel aller Weltteile
bewohnten diesen wundervollen Ort, den sie mit ihren mannigfaltigen Stimmen und
mit natürlichen oder gelernten Gesängen belebten. Und in der Mitte einer
unzähligen Menge kleiner Lustwälder, über welche dieses Zauberschloss herrschte,
beherbergte ein künstlicher Ozean alle Arten von Wassergeschöpfen; ein großer
See, dessen über Marmor rollende Wellen man oft mit einer Flotte von kleinen
vergoldeten Schiffen bedeckt sah, welche an Zierlichkeit und schimmernder
Ausschmückung dasjenige zurück ließ, worin Kleopatra den Herrn der einen
Hälfte der Welt zum ersten Male bezauberte. Die Beschreibung, welche Alabanda
von den Wundern dieses nach ihrem Namen genannten Ortes verfertigen ließ, machte
etliche große Bände aus, und die billigste Berechnung alles dessen, was diese
Wunder gekostet hatten, überstieg zweimal die jährlichen Einkünfte des ganzen
scheschianischen Reiches; welches in der Tat eine ungeheure Summe war. Unzählige
Fremde wurden durch die Neugier herbei gezogen, sie zu sehen; aber der Vorteil,
den das Land von ihnen zog, war nur ein geringer Ersatz des vielfältigen
Schadens, den es durch die Ausschweifungen der schönen Alabanda erlitten hatte.
Eine unendliche Menge von Landleuten war dem Feldbau entrissen worden, um als
Tagelöhner an der Beschleunigung eines Werkes zu arbeiten, welches ihr
ungeduldiger Stolz unter ihren Blicken wachsen sehen wollte. Etliche Provinzen
befanden sich dadurch in Unordnung und Mangel versetzt; der Preis der
Lebensmittel stieg übermäßig; der öffentliche Schatz war erschöpft, die Einnahme
des folgenden Jahres beträchtlich vermindert, und das Reich mit einer ungeheueren
Schuld beladen, wovon der größte Teil fremde Länder bereicherte; weil der ekle
Geschmack der launenhaften Alabanda nichts Einheimisches schön genug fand,
ungeachtet alle Künste in Scheschian blüheten.
    Zum Unglück für die Nation war diese Favoritin kaum mit Ausführung eines
solchen Werkes fertig, als ihre unerschöpfliche Einbildungskraft schon über der
Idee eines andern brütete, welches, durch die grenzenlose Gefälligkeit ihres
Liebhabers, eben so schnell und mit eben so wenig Rücksicht auf die Umstände des
Staats zur Wirklichkeit gebracht wurde. Schon im zweiten Sommer, den sie mit dem
Könige zu Alabanda zubrachte, bemerkte sie, dass die Gebäude zu weitläufig, die
Gärten zu verworren und überladen, und mit Einem Worte das Ganze eine Art von
Karikatur sei, wo die Natur von der Kunst verschlungen werde, und das ermüdete
Auge in einer unübersehbaren Mannigfaltigkeit sich verliere.
