 zu sagen, der allein ist ein wahrer
Weiser! Alle diese Theorien der Sittenlehre und Staatswissenschaft, welche man
auf die Natur zu gründen vorgibt, sind Blendwerke der bösen Geister, und
verdammt sei derjenige, rief er mit glühenden Wangen und feurigen Augen, der die
Seelen der Muselmannen mit diesem Gift ansteckt! Er pflegte oft mit Entzücken
von Amru Ben Alas, dem Feldherrn des Kalifen Omar, zu sprechen, der die berühmte
Büchersammlung zu Alexandria zum Einheizen in die öffentlichen Bäder hatte
verteilen lassen, weil, wie er meinte, alle diese Bücher zu nichts besserm
taugten, falls nichts darin enthalten wäre als was man im Koran kürzer und
besser gegeben fände, und des Feuers schuldig wären, wofern sie etwas andres
enthielten als der Koran. Das waren goldne Zeiten. rief er mit einer andächtigen
Verzerrung seines plumpen Gesichts. Das waren die Zeiten, wo die Angelegenheiten
des Islamismus blühten! wo die Ungläubigen unter unsre Füße getreten wurden, und
das Gesetz des Propheten sich mit einer wundertätigen Schnelligkeit über den
Erdboden ausbreitete! - Urteilet aus diesen Proben«, fuhr der Sultan fort, »ob
mein Fakir seine Schuldigkeit besser hätte tun können, wenn ihm mein Oheim Baham
aufgetragen hätte, mich zu einem Fakir zu bilden! Glücklicher Weise für mich (
und für Indostan, denkeich) war unter den Sklaven, die mir zur Bedienung gegeben
waren, ein junger Cyprier, der Genie und Erziehung hatte, und die Begriffe und
Maximen meines Fakirs, die ihm äußerst ungereimt vorkamen, auf eine so feine Art
zu verspotten wusste, dass es ihm sehr wenig Mühe kostete, die Spuren
auszulöschen, die sie vielleicht in meinem Gemüte hätten lassen können. Da er
überdies die Geschicklichkeit und den guten Willen hatte, mir in meinen kleinen
Liebesnöten Dienste zu tun, so bemächtigte er sich meines Vertrauens in einem so
hohen Grade, dass ich ihn wie die Hälfte meiner Seele liebte. Wir spielten dem
alten Verschnittenen und dem weisen Fakir tausend Streiche, auf deren Erfindung
und Ausführung wir uns nicht wenig einbildeten. Gleichwohl konnten wir es nicht
so fein machen, dass wir nicht dann und wann über der Tat ertappt und mit großer
Feierlichkeit bei dem Sultan verklagt worden wären. Aber Schach-Baham, wiewohl
er den Eifer meiner Vorgesetzten lobte, konnte doch selten dahin gebracht
werden, unsern jugendlichen Mutwillen züchtigen zu lassen. Er lachte
gemeiniglich so herzlich über die Erzählung, die ihm der Fakir in einem
kläglichen Ton und mit tragischen Gebärden davon machte, dass er sich die Seiten
mit beiden Händen halten musste; und am Ende musste sich der ehrliche Fakir mit
seinem gewöhnlichen Sprichworte, Jugend hat nicht Tugend, zufrieden stellen
lassen. Ich erinnere mich noch ganz wohl, pflegte er mit einer schlauen Miene
hinzu zu setzen,
