 Auszierung gehören, und ihren Wert haben, wenn sie der Schmuck
wesentlicher Vollkommenheiten sind. Der Prinz stellte sich auf die edelste und
angenehmste Art in einer Gesellschaft dar, er sagte witzige und verbindliche
Sachen, er kleidete sich mit dem besten Geschmack, und urteilte besser als
jemand von allem was in dem Gebiete des Schönen liegt. Er blies die Flöte, malte
ganz artig, und tanzte zum Bezaubern. Seine Feinde (denn bei aller seiner
Liebenswürdigkeit fehlte es ihm nicht an Feinden) sagten ihm sogar nach, dass er
in der Schwärmerei seiner ersten Leidenschaft für eine Dame des Hofes - Verse
gemacht habe; Verse, welche ihm die Ungelegenheit zugezogen hätten, von den
Poeten seiner Zeit einhellig zu ihrem Schutzgott erwählt, und im Eingang ihrer
Gedichte oder in schallreichen Zueignungsschriften mit hungriger Beredsamkeit um
seinen mächtigen Beistand und - eine Mittagsmahlzeit angerufen zu werden.
    Eh ich weiter fortgehe, Sire, muss ich eines Umstandes erwähnen, der in
verschiedene Teile der Geschichte von Scheschian einigen Einfluss hat, und einen
Zweig der Sitten betrifft, worin die Bewohner dieses Landes von den meisten
Völkern in Asien unterschieden sind. Das weibliche Geschlecht genoss bei ihnen
von alten Zeiten her aller der Freiheit, in deren Besitz es bei den
abendländischen Völkern ist; und unter der Sultanin Lili, welche sich eine
Angelegenheit daraus gemacht hatte, die schönsten und vollkommensten Personen
ihres Geschlechtes aus dem ganzen Scheschian um sich her zu versammeln, war der
Hof, aus einer finsteren Werkstätte der öffentlichen Geschäfte, ein Schauplatz
der angenehmsten Bezauberungen der Liebe und des Vergnügens geworden.
    Es konnte dem jungen Prinzen nicht fehlen, in dieser Schule gar bald zu
demjenigen ausgebildet zu werden, was die Damen seines Hofes einen
liebenswürdigen Mann nannten. Sie beeiferten sich in die Wette, das Werk seiner
Erziehung zur Vollkommenheit zu bringen; und es ist zu vermuten, dass ihre
Absichten dabei nicht so ganz uneigennützig waren als sie sich das Ansehen
gaben. Azor befand sich eben in der Verlegenheit, sein Herz unter so vielen
reizvollen Gegenständen eine Wahl treffen zu lassen; als ihm der Tod des Königs
seines Vaters eine Krone aufsetzte, von deren Wert er ziemlich romantische
Begriffe haben musste, weil sie (wie er zu einer jungen Schönen seines Hofes zu
sagen beliebte) nur in so fern einigen Preis in seinen Augen habe, als er sie,
zugleich mit seinem Herzen, zu den Füßen dieser kleinen Zaubrerin legen könne.
Man kann aus dieser Probe sicher schließen, wie gut er in den Pflichten, die mit
dieser Krone verbunden waren, müsse unterrichtet gewesen sein.
    In der Tat waren diese Pflichten für Personen, welche einen so angenehmen
Gebrauch von ihrem Leben zu machen wussten, als man es an dem Hofe zu Scheschian
gewohnt war, allzu beschwerlich, als dass
