 Fakir an der Seite hing, der auf alle seine Schritte,
Reden, Mienen und Gebärden Acht haben, und sorgfältig verhüten musste, dass der
junge Herr nicht - zu vernünftig werde. Denn es war eine durchgängig angenommene
Meinung, dass einer starken Leibesbeschaffenheit, einer guten Verdauung, und der
Fähigkeit sein Glück zu machen, nichts so nachteilig sei, als viel denken und
viel wissen; und man muss es den Derwischen, Fakirn, Santonen, Braminen, Bonzen
und Talapoinen der damaligen Zeiten nachrühmen, dass sie kein Mittel unversucht
ließ, die Völker um den Indus und Ganges vor einem so schädlichen Übermasse zu
bewahren. Es war einer von ihren Grundsätzen, gegen die es gefährlich war
Zweifel zu erregen: Niemand müsse klüger sein wollen als seine Großmutter.
    Man wird nun begreifen, wie Schach-Baham bei solchen Umständen ungefähr der
Mann werden musste, der er war. Man hat bisher geglaubt, die einsichtsvollen
Betrachtungen, die abgebrochenen und mit viel bedeutenden Mienen begleiteten -
»das dacht ich gleich« - »ich sage nichts, aber ich weiß wohl was ich weiß« -
oder, »doch was kümmert das mich?« und andre dergleichen weise Sprüche, an denen
er einen eben so großen Überfluss hat als Sancho Pansa an Sprichwörtern -, nebst
seinem Widerwillen gegen das, was er Moral, und Empfindung spinnen nennt, wären
bloße Wirkungen seines Genies gewesen. Aber einem jeden das Seine! Man kann
sicher glauben, dass der Fakir, sein Hofmeister, keinen geringen Anteil daran
hatte.
    Der Sohn und Erbe dieses würdigen Sultans, Schach-Dolka, glich seinem Vater
an Fähigkeit und Neigungen beinahe in allen Stücken, ein einziges ausgenommen.
Er war nämlich ein erklärter Feind von allem, was einem Märchen gleich sah, und
setzte diesem Hass um so weniger Grenzen, da er bei Lebzeiten des Sultans seines
Vaters genötigt gewesen war, ihn aufs sorgfältigste zu verbergen. Wir würden
uns, nach dem Beispiele vieler berühmter Schriftsteller, über diese Ausartung
gar sehr verwundern, wenn uns nicht deuchte, dass es ganz natürlich damit
zugegangen sei. Sultan Dolka hatte in dem Zimmer der Sultanin seiner Mama (wo
Schach-Baham die Abende mit Papierausschneiden, und Anhören lehrreicher
Historien von beseelten Sofas, politischen Bals, und empfindsamen Gänschen in
rosenfarbem Domino, zuzubringen pflegte) von seiner Kindheit an so viele Märchen
zu sich nehmen müssen, dass er sich endlich einen Ekel daran gehört hatte. Dies
war das ganze Geheimnis; und uns deucht, es ist nichts darin, worüber man sich
so sehr zu verwundern Ursache hätte.
    Vermutlich ist aus dieser tödlichen Abneigung vor den Erzählungen des Visirs
Moslem die außerordentliche Ungnade zu erklären, welche er auf die Philosophie,
und überhaupt auf alle Bücher, sie mochten
