 Blute und der stärksten Leibesbeschaffenheit, in
seinem dreissigsten Jahre zu dem elenden Zustande herunter gebracht, der ein
Mittelstand zwischen Leben und Sterben ist; gepeinigt durch Erinnerungen, welche
sein Vergnügen hätten erhöhen sollen, und verdammt zu ohnmächtigen Versuchen,
den Zorn der Natur durch die Geheimnisse der Kunst zu versöhnen, denen er die
Verlängerung seines Daseins zu danken hatte. Diese gelehrten Köche, auf die er
so stolz war, hatten das Ihrige getreulich beigetragen, zu gleicher Zeit seine
Gesundheit zu zerstören, und die Werkzeuge seiner Empfindung abzunützen. So wie
die Schwierigkeit seinen stumpfen Geschmack zu reizen zunahm, hatte sich ihr
verderblicher Eifer verdoppelt, sie durch die Macht ihrer Kunst zu besiegen.
Aber ihre Erfindungen hatten selten einen bessern Erfolg, als ihn den
erkünstelten Kitzel etlicher Augenblicke mit langen Schmerzen bezahlen zu
lassen.
    Unser Emir erstaunte, an der Tafel seines betagten Wirtes die Esslust wieder
zu finden, die er Jahre lang vergebens gesucht hatte. Zwei gleich ungewohnte
Dinge, eine Nüchternheit von vierundzwanzig Stunden, und die starke Bewegung,
die er sich hatte geben müssen, trugen ohne Zweifel das meiste dazu bei, dass er
an der Tafel der Günstlinge des Propheten im Paradiese zu sitzen glaubte. Nicht
als hätte die Menge und Kostbarkeit der Speisen, oder eine sehr künstliche
Zubereitung das geringste dazu beigetragen; denn es war kein größerer Überfluss
da, als die Befriedigung des Bedürfnisses, und die Sorge, dem Geschmack einige
Wahl zu lassen, erfoderte; und an der Zubereitung hatte die Kunst nicht mehr
Anteil, als sie haben muss, um einen unverdorbenen Geschmack ohne Nachteil der
Gesundheit zu vergnügen. Es ist wahr, gewisse feine Kunstgriffe waren dabei
beobachtet, die entweder ihrer Einfalt wegen den gelehrten Köchen des Emirs
unbekannt geblieben waren, oder vielleicht eine Aufmerksamkeit erfoderten, wozu
sich diese wichtigen Leute die Mühe nicht nehmen mochten; indessen war es doch
hauptsächlich bloß die natürliche Güte der Speisen, und eine Zurichtung, an
welcher Avicenna selbst nichts auszusetzen gefunden hätte, was diese Mahlzeit
von den prächtigen und teuren Giftmischereien fürstlicher Tafeln unterschied.
Hingegen musste sich der Emir gestehen, dass der Wein, der vielleicht so alt war
als der Wirt, und die Früchte, womit die Mahlzeit beschlossen wurde, so
vortrefflich waren, als die Natur beides nur unter dem glücklichsten
Himmelsstriche hervorzubringen vermag.
    Ist alles dies Zauberei? fragte sich der Emir alle Augenblicke; und was für
ein alter Mann ist dies, der bei seinem schneeweißen Bart eine so frische Farbe
hat, und dem Essen und Trinken so wohl schmeckt, als ob er erst jetzt zu leben
anfange? - Er hatte alle Mühe von der Welt seine Verwunderung zurückzuhalten;
aber die angenehmen Gespräche, wozu außer ihm selbst alle das Ihrige beitrugen,
nebst der ungezwungenen und einnehmenden Art,
