 Danischmend und der junge Mirza erteilten dieser Anmerkung ihren
Beifall in vollem Masse, und mit aller der Bewunderung, welche sie um so mehr
verdiente, da sie wirklich uneigennütziger war, als Schach-Gebal selbst sich
vielleicht schmeicheln mochte.
    »Der gute König von Scheschian«, fuhr Nurmahal in ihrer Erzählung fort, »der
zu dieser in dem Munde eines großen Monarchen so preiswürdigen Anmerkung
Gelegenheit gegeben hat, was auch sein Name gewesen sein mag, verdient
wenigstens das Lob eines guten Geschmacks in der Wahl seiner Günstlinge; denn
die schöne Lili, seine Favoritin, war aus allem, was eine Person unsers
Geschlechtes liebenswürdig machen kann, zusammen gesetzt. Und sollten ihr auch
die Dichter, Maler, Bildhauer und Schaumünzenmacher ihrer Zeit geschmeichelt
haben, so ist doch nicht zu leugnen, dass die Nation Ursache hatte, ihr Andenken
zu segnen. Niemals ist eine größere Gönnerin der Künste gewesen, als die schöne
Lili. Sie führte den Seidenbau in Scheschian ein, und zog eine Menge persischer,
sinesischer und indischer Künstler herbei, welche durch ihren Vorschub alle
Arten von Manufakturen zu Stande brachten. Die Scheschianer lernten unter ihrer
Regierung - dies ist der eigene Ausdruck der Geschichtschreiber -
Bequemlichkeiten und Wollüste kennen, von welchen die meisten noch keinen
Begriff gehabt hatten. Man glaubte ihr den Genuss eines neuen und unendliche Mal
angenehmern Daseins zu danken zu haben. Sie brachte die Schätze in einen
belebenden Umlauf, die in den Schatzkammern der vorigen Könige, wie die Leichen
der Pharaonen in ihren Pyramiden, auf eine unnützlich prahlerhafte Weise
begraben lagen. Ihr Beispiel reizte die Großen und Begüterten zur Nachahmung.
Die Hauptstadt bildete sich nach dem Hofe, und die Städte der Provinzen nach der
Hauptstadt. Erfindsamkeit und Fleiß bestrebten sich in die Wette, den ganzen
Staat in eine so lebhafte als heilsame Tätigkeit zu setzen; denn Erfindsamkeit
und Fleiß war der gerade Weg zu Überfluss und Gemächlichkeit, und wer wünscht
nicht so angenehm zu leben als möglich? Die wohltätige Lili machte die Einwohner
von Scheschian auch mit den Reizungen der Musik und der Schauspiele bekannt; und
so nachteilig in der Folge alle diese Geschenke ihrem Wohlstande wurden, so
unleugbar ist es, dass sie anfangs eine sehr gute Wirkung taten. So wie sich das
Gefühl der Scheschianer verfeinerte, so verschönerten sich auch zusehens ihre
Sitten. Man wurde geselliger, sanfter, geschmeidiger, man vertrug sich besser,
man lernte sich mit einander freuen, und fühlte sich selbst desto glücklicher,
je größer die Menge der Glücklichen war, die man um sich sah, und so weiter; -
denn es würde sehr unnötig sein, Ihrer Hoheit alle die guten Wirkungen des
Geschmacks und der Künste vorzuzählen, von welchen Sie Selbst ein so großer
Kenner und Beförderer sind. Freilich gab es hier
