
den Talisman, dem sie ihre Erhebung schuldig war, heimlich von ihm empfangen
hatte. Aber die Hofleute machten bald die schwache Seite der jungen Zili
ausfündig. Ein wunderschöner junger Nair, der auf einmal durch ihre
Veranstaltung am Hof erschien, bemächtigte sich der Zuneigung der Königin Zili
durch seine Gestalt, und durch ein Geheimnis die Federn ausgestopfter Vögel in
ihrer ganzen Schönheit zu erhalten, der Gunst des Königs, in einem so hohen
Grade, dass Kolaf seinen Platz nicht länger haltbar fand, und sich mit einem
großen Gehalt und der Würde eines Hohenpriesters von ganz Scheschian, welche
ausdrücklich für ihn kreiert wurde, vom Hofe zurück zog.
    Von dieser Zeit an stellte der Adel sein verlornes Ansehen nach und nach so
gut wieder her, dass die Priesterschaft, wiewohl sie sich vom Hofe fast ganz
unabhängig gemacht hatte, es doch der Klugheit am gemässesten fand, sich an der
billigen Teilung zu begnügen, welche ihr von ihren Nebenbuhlern um die
Oberherrschaft angeboten wurde; ein Vertrag, der (wie leicht zu erachten) von
beiden Seiten nicht so gewissenhaft gehalten wurde, dass nicht jeder Teil
beflissen gewesen sein sollte, den andern, so oft sich die Gelegenheit dazu
anbot, nach Möglichkeit zu übervorteilen und auszustechen.
    Solcher Gestalt bildete sich aus diesem geheimen Einverständnis der
mächtigsten Familien des Adels und der Oberpriester eine Art von Aristokratie,
worin der Name des Königs und die äußern Formen der Monarchie nur deswegen
beibehalten wurden, weil man sich des königlichen Ansehens bedienen konnte, das
Volk desto bequemer und ungestrafter zu unterdrücken.
    Die Regierung Tifans des Zweiten war eine der längsten in dieser Dynastie,
und die neue Ordnung oder Unordnung der Dinge hatte nicht nur Zeit genug sich zu
befestigen, sondern erhielt sich auch durch die Klugheit der Häupter beider
Parteien in einem ziemlichen Gleichgewichte.
    Aber unter seinen Nachfolgern wurde diese friedliche Eintracht häufig
unterbrochen. Der Hof des Königs und der geheiligte Palast des Hohenpriesters
waren fast immer bald in geheimer bald in öffentlicher Opposition; das
Übergewicht der Macht schwankte zwischen beiden hin und her; einige Male kam es
sogar zu einem Bruch, der die Ruhe des Reichs erschütterte. Indessen musste doch
zuletzt wieder Friede gemacht werden, und immer war es das Volk ganz allein, das
die Unkosten der Aussöhnung tragen musste.
    Die schlechte Haushaltung des Hofes - die kostbaren Launen und grenzenlosen
Verschwendungen der Günstlinge von beiderlei Geschlechte - die unersättliche
Habsucht der Großen, als natürliche Folge eines übermütigen Luxus, der, wiewohl
von dem Blut und Mark des Volkes genährt, niemals genug an sich ziehen konnte um
einen bodenlosen Schlund zu füllen - unnötige und ungerechte Kriege, wobei nur
Feldherren, Kommissarien und Lieferanten sich bereicherten, während Myriaden
unschuldiger Familien zu Grunde gerichtet und der Staat durch die Eroberungen
selbst immer ärmer wurde - törichte aber
