 Bestechungen, kurz über alle Arten von Verbrechen, deren
die bisherigen Justiz- und Polizei-Stellen, Distriktsaufseher, Stattalter der
Provinzen und andere Staatsbeamte aus der Kaste der Nairen sich schuldig gemacht
hatten. Da es töricht gewesen wäre die Habichte bei den Geiern zu verklagen, so
wurden alle diese Beschwerden unmittelbar vor den Thron gebracht. Sie
verursachten scharfe Untersuchungen; man fand, sowohl des Beispiels wegen, als
um das aufgebrachte Volk zufrieden zu stellen, für nötig, gegen die schuldig
Befundenen mit der äußersten Strenge zu verfahren; und das letzte Resultat von
allen diesen mit vieler Klugheit in einander gepassten Operationen war: dass Kolaf
zum ersten Minister des Königs, oder, eigentlicher zu reden, der Königin erhoben
wurde, und dass binnen wenig Jahren die ansehnlichsten und einträglichsten
Staatsbedienungen in den Händen solcher Priester waren, die sich durch Talente,
Wissenschaft und einen Schein strenger Tugend und tadelloser Sitten
ausgezeichnet hatten. Die Wahl des Hofes wurde dadurch in den Augen der Nation
so vollständig gerechtfertigt, dass die Königin, unter dem Schirm der allgemeinen
Liebe, welche sie sich durch diese Staatsverbesserung erwarb, nun freie Hände
hatte, die wieder hergestellte königliche Autorität so weit auszudehnen als sie
wollte.
    Dieses Ungewitter, zu welchem Kolaf und seine Anhänger die Zurüstungen in
größter Stille gemacht hatten, fand bei seinem Ausbruche die Herren von der
adelichen Kaste so wenig vorbereitet, dass ihnen nichts übrig blieb als sich in
die Zeit zu schicken, und durch das zweideutige Verdienst des leidenden
Gehorsams, womit sie sich den Verfügungen des Hofes unterwarfen, von ihren
ehmaligen Vorrechten noch so viel zu retten, dass sie unter günstigern Umständen
auch das Verlorne wieder zu gewinnen hoffen konnten.«
    So weit war Danischmend, als der Bramine der Sultanin Nurmahal, welcher seit
einigen Tagen die Erlaubnis hatte bei dieser Unterhaltung zugegen zu sein, ihn
bemerken ließ, dass der Sultan unter seiner Erzählung unvermerkt eingeschlafen
war. Der Erzähler empfahl sich also, und schlich in aller Stille nach Hause, um
über eine und andere Bemerkung, die er diesen Abend gemacht hatte, seine
Betrachtungen anzustellen. Es hatte ihm nicht entgehen können, dass Schach-Gebals
Angesicht und Benehmen gegen ihn seit kurzem nicht mehr war wie sonst: und
besonders an diesem Abend war die Laune, womit er ihn öfter als gewöhnlich
unterbrach, so auffallend gewesen; der Sultan hatte so wenig verbergen können
oder verbergen wollen, dass er etwas gegen ihn auf dem Herzen habe; auch hatte er
in Nurmahals Gesicht etwas so zurück Gehaltenes, und an dem übermäßig
freundlichen Braminen von Zeit zu Zeit eine so tückische Schadenfreude aus den
halb geschlossenen Augen hervor blicken sehen. Das alles waren keine Zeichen von
guter Vorbedeutung. Je mehr er allen Umständen nachdachte, desto mehr Licht ging
ihm auf, und
