 nicht, die Spuren der Verwüstungen eines langwierigen Krieges in
seinem Reich auszulöschen und dessen ehmaligen Wohlstand wieder herzustellen. Er
wollte noch mehr tun als Tifan und Temor, und wurde nicht gewahr, dass er,
während er sich überredete den höchsten Flor des Reichs zum einzigen Augenmerk
zu haben, bloß für seine Lieblingsleidenschaften arbeitete. Von lauter Künstlern
und Virtuosen, Kennern und Dilettanten umgeben, deren Interesse war seine
Leidenschaft vielmehr anzufeuern als zu mäßigen, hörte er in seinem ganzen Leben
nichts was ihn aus dieser süßen Täuschung hätte wecken können. Azor, Lili, und
Alabanda selbst blieben in allem, was sie für die schönen Künste taten, weit
hinter ihm zurück: denn man musste ihm die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass
er sie nicht, nach Gewohnheit der meisten Fürsten, zu bloßen Sklaven seines
Vergnügens herab würdigte, sondern sie um ihrer selbst willen liebte, und nur an
der Vollkommenheit ihrer Werke Vergnügen fand. Auch darüber hatte sich keine zu
beklagen, dass er sie etwa aus Vorliebe zu einer andern vernachlässige; jede
schien vielmehr berechtigt sich für die vorzüglich begünstigte zu halten.
Indessen war doch gewiss, dass die Baukunst, weil sie mit seiner Liebe zum Schönen
zugleich seine Prachtliebe und Eitelkeit am meisten befriedigte, den ersten Rang
in seiner Zuneigung behauptete; wenigstens konnte man nicht anders urteilen,
wenn man die Menge und Herrlichkeit aller Arten von öffentlichen Gebäuden sah,
womit er die Residenz Scheschian und alle Hauptstädte seiner Provinzen angefüllt
hatte. Natürlich reichten die Einkünfte der königlichen Domänen, so groß sie
auch waren, bei weitem nicht zu, eine so kostbare und unersättliche Leidenschaft
zu befriedigen: und kaum fühlte man diese Unzulänglichkeit, so entstand eben so
natürlich das Verlangen ihr abzuhelfen. Das kürzeste Mittel war, einen kleinen
Bruch in das Gesetzbuch Tifans zu machen, und Seiner Hoheit nicht nur die
willkürliche Verwaltung des öffentlichen Schatzes, sondern auch die Macht nach
Gutdünken neue Zuflüsse in denselben zu leiten, auf eine gute Art in die Hände
zu spielen. Die Sache lag dem guten Akbar zu sehr am Herzen, als dass sich unter
den Kunstliebhabern, von welchen sein Hof wimmelte, nicht gar bald einer
gefunden hätte, der sein Haupt nicht eher zur Ruhe legte, bis er ein wohl
berechnetes Plänchen, wie das alles am sichersten zu bewerkstelligen wäre,
ausgearbeitet hatte. Alles kam darauf an, den Adel und die Priesterschaft dahin
zu bringen, dass sie sich, gegen eine billige Entschädigung, eine so ungeheure
Ausdehnung der königlichen Gewalt gefallen ließ. Denn diese beiden mussten
schlechterdings gewonnen werden: der Adel, wegen des entscheidenden Einflusses,
den ihm die Staatsverfassung gab; die Priesterschaft, weil sie unmittelbarer auf
das Volk wirkte und durch ihr Ansehen alles über dasselbe vermochte. Beides
hatte große Schwierigkeiten, wofern Akbar
