 seinem Zustande. Von dem Augenblick an, da ihr
die Veranstaltungen, von deren vollkommenster Einrichtung und öfterer
Wiederbelebung so große Vorteile abhangen, vernachlässiget, werden unvermerkt
alle übrige Räder des Staats in Unordnung geraten; der Verfall der Erziehung
wird die Ausartung der Sitten, und diese, wofern ihr nicht weise genug sein
werdet die Quelle des Übels in Zeiten zu entdecken und zu verstopfen, unfehlbar
den Verfall des Staats nach sich zu ziehen.
    Nach Tifans Begriffen war es also bei der Erziehung viel weniger darum zu
tun, den künftigen Bürgern gewisse Kenntnisse und Geschicklichkeiten
beizubringen - wiewohl auch dieser Teil, nach Massgebung der künftigen Bestimmung
eines jeden, keinesweges verabsäumt wurde - als, jede besondere Klasse zu den
Tugenden ihres künftigen Standes, und überhaupt Alle zu jeder Tugend des
gesellschaftlichen und politischen Lebens zu bilden. Auf diesen großen Zweck war
der ganze Erziehungsplan angelegt. Alles in demselben war praktisch: die Schule
machte nicht, wie in den meisten übrigen Staaten, ein besonderes für sich
bestehendes Institut aus, welches mit dem gemeinen Wesen nur durch einzelne
schwache Faden zusammen hängt; alles bezog sich in den scheschianischen Schulen
auf den künftigen Gebrauch, und die Jugend wurde nichts gelehrt, was sie ohne
Schaden wieder vergessen konnte.
    Tifan verordnete, dass in dem ganzen scheschianischen Reiche die Knaben
öffentlich, die Töchter hingegen, deren Bestimmung ordentlicher Weise in den
engeren Zirkel des häuslichen Lebens eingeschränkt ist, absonderlich von ihren
Müttern oder nächsten Verwandten erzogen werden sollten. Unter jenen waren nur
die Söhne des Königs, und unter diesen allein diejenigen, welche in besonderem
Verstande die Pflegetöchter der Königin genannt wurden, von der allgemeinen
Regel ausgenommen. Denn diese letztern wurden, eben so wie die Knaben, in
besonders dazu eingerichteten Erziehungshäusern, unter eigener oberster Aufsicht
der Königin, zu der einfältigen, arbeitsamen und schuldlosen Lebensart, die
ihrer Bestimmung angemessen war, und zu allen Tugenden, ohne welche es unmöglich
ist eine rechtschaffene Ehegattin und eine gute Mutter zu sein, auferzogen.
Alles was man gemeiniglich gegen dergleichen Anstalten einzuwenden pflegt, fand
bei diesen nicht Statt; sie waren so vorsichtig und in allen Betrachtungen so
zweckmäßige eingerichtet, dass (den Fall einer allgemeinen Verderbnis der Sitten
in Scheschian ausgenommen) eine merkliche Verschlimmerung derselben unmöglich
war.
    Die Hauptquelle der Gebrechen solcher öffentlichen Anstalten liegt darin,
dass man so wenig als möglich darauf verwenden will. Die Leute, die dabei
gebraucht werden, sind oft selbst rohe und mit den Eigenschaften zu einem so
edelen Beruf gar nicht begabte Leute. Sie haben so wenig, Anspruch an einige
Achtung der Welt zu machen, dass es kein Wunder ist, wenn sie meistens schlecht
denkende Geschöpfe sind; und sie werden so armselig belohnt, dass es noch weniger
zu verwundern ist, wenn Leute ohne Grundsätze und
