, auf meinem Tische liegen haben, oder - ich
wasche meine Hände über die Folgen die daraus entstehen mögen!«
    Der Itimadulet versprach, indem er seine Hand auf seinen Kopf legte, dem
Willen seines gebietenden Herrn Genüge zu tun; und er entwarf zu diesem Ende
einen weitläufigen Plan, worüber der Sultan, da er ihn durchblätterte und die
Anzahl der Blätter zählte, ein großes Behagen äußerte. Gleichwohl ist
zweifelhaft, ob Seine Hoheit diesen Plan jemals zu lesen Zeit gewinnen konnte.
So viel ist gewiss, dass der Derwisch Zikzak, der dem weisen Danischmend in der
Würde eines Itimadulet folgte, diesen nämlichen Plan unter den Papieren, welche
der Sultan von Zeit zu Zeit von seinem Tische wegräumen ließ, unversehrt und in
vergoldetes Leder eingebunden liegen fand, und dass von diesem Augenblick an
weiter nichts davon gehört worden ist.
 
                                      15.
In einigen der folgenden Nächte unterhielt Danischmend den Sultan seinen Herrn
mit einer ziemlich umständlichen Erzählung, wie Tifan die öffentliche Erziehung
eingerichtet habe. Dieser Gegenstand, der wichtigste in den Augen des
scheschianischen Lykurgus, machte einen beträchtlichen Teil seines Gesetzbuches
aus. In den Tagen, worin die gegenwärtige Geschichte ans Licht tritt, ist über
diese Sache so viel geschrieben worden, dass es unmöglich scheint etwas Neues
davon zu sagen; und beinahe sollte man Bedenken tragen, irgend etwas davon zu
sagen, da nicht ohne Grund zu besorgen ist, das mit Schriften von der
Erziehungskunst überfüllte Publikum möchte sich zuletzt des Ekels, der eine
natürliche Folge der Überladung ist, nicht länger erwehren können, und gar
nichts mehr davon hören wollen; welches denn ein sehr einfaches Mittel wäre, die
Früchte aller der großen Bemühungen, die bisher auf die Verbesserung dieses
wichtigen Teils der Staatsökonomie verwendet worden, in der Blüte zu ersticken.
Aus dieser Betrachtung sowohl, als weil wirklich alles Gute, was sich von dieser
Materie überhaupt sagen lässt, unsern Lesern schon aus andern Quellen bekannt
sein muss, glauben wir sie uns verbindlich zu machen, wenn wir die weitläufigen
Nachrichten des schwatzhaften Danischmend so kurz als nur immer möglich sein
wird zusammen ziehen.
    »Ein Staat, sagt Tifan im Eingange des Kapitels von der Erziehung, könnte
mit den besten Gesetzen, mit der besten Religion, bei dem blühendsten Zustande
der Wissenschaften und der Künste, dennoch sehr übel bestellt sein, wenn der
Gesetzgeber die Unweisheit begangen hätte, einen einzigen Punkt zu übersehen,
auf welchen in jedem gemeinen Wesen alles ankommt, - die Erziehung der Jugend.
Die vortrefflichste Einrichtung des Justizwesens macht einen Sachwalter nicht
gewissenhaft, einen Richter nicht unbestechlich; die beste Religion kann nicht
verhindern, von unwürdigen Dienern zum Deckmantel der hässlichsten Laster
gemacht, und zur Beförderung der schädlichsten Absichten gemissbraucht zu werden;
die herrlichsten Polizeigesetze können wenig Wirkung tun, wenn
