 zu würdigen Lehrern der Nation, zu wahren Weisen, zu Vorbildern einer
unverfälschten Tugend, zu Schutzgöttern der guten Sitten, und zu Gegenständen
der allgemeinen Verehrung zu machen.« »Itimadulet«, sagte Schach-Gebal, »schaffe
mir solche Priester, und dann soll man sehen ob ich ein Feind ihres Ordens bin,
wie boshafte Leute vorgeben! Du hast das Rezept, wie man sie machen kann; warum
sollte in Indostan nicht möglich sein was in Scheschian möglich war?«
    »Sire«, versetzte Danischmend, »was ich im Begriffe bin zu sagen, wird Ihrer
Hoheit einer von den paradoxesten Sätzen scheinen, die vielleicht jemals von
einem Philosophen behauptet worden sind; aber nichts desto weniger hat es seine
völlige Richtigkeit damit. Sollten Ihre Hoheit wohl glauben, dass eben dieser
vortreffliche Charakter der scheschianischen Priesterschaft in der Folge eine
der wirksamsten Ursachen des Untergangs der Gesetzgebung Tifans wurde, und durch
eine lange Reihe von Mittelursachen zuletzt den Untergang des ganzen Reichs
beförderte?«
    »Und wie kann dies zugegangen sein, Herr Danischmend?«
    »Auf die natürlichste Weise von der Welt. Priester, die so weise, so
rechtschaffen, so liebenswürdig waren, als diejenigen, welche Tifans
Veranstaltungen hervorbrachten, mussten durch eine unfehlbare Notwendigkeit nach
und nach zu einer Stufe von Ansehen gelangen, welche sie unvermerkt zu Meistern
aller Herzen machte. Man beeiferte sich um ihre Freundschaft, man suchte ihren
Umgang, man erbat sich ihren Rat, man unternahm endlich weder Großes noch
Kleines ohne einen Priester beizuziehen. Sie wurden die Schiedsrichter aller
Zwistigkeiten, die Ratgeber der Großen, und einige von ihnen stiegen durch den
Ruf ihrer Tugend und ihrer Talente sogar zu den höchsten Würden des Reiches. Ich
denke dies ist genug gesagt, das Rätsel auflöslich zu machen. Man weiß nun wie
es weiter ging. - Die Priester von Scheschian waren Menschen - was wollen wir
mehr?«
    »Verzweifelt!« rief Schach-Gebal, indem er eine gewisse Miene von komischem
Unwillen annahm, welche Seiner Hoheit nicht übel zu lassen pflegte: »man ist
doch wirklich übel mit diesen Herren dran! Sind sie schlimm, so - sind sie es
insgemein in einem so hohen Grade, dass man nicht weiß, wie man ihnen genug
wehren soll; sind sie gut, so werden sie dem Staate durch ihre Tugenden
gefährlich! In der Tat, ich wollte zu Gott - aber was hilft wünschen?
Unentbehrlich sind sie nun einmal! - Denn, unter uns, Danischmend, ich habe mir
schon mehr als Eine Nacht in meinem Leben mit Nachdenken verdorben, wie es
anzufangen wäre, damit man sich für ihre ferneren Dienste ein- für allemal
bedanken könnte: aber ich bin überzeugt dass nicht weiter daran zu denken ist;
