 welcher jetzt oder künftig von der besten Art das
höchste Wesen zu verehren andere Begriffe hegen würde, als diejenigen welche
bisher in Scheschian geherrschet hätten, aus gleichem Grunde völlige Freiheit,
hierin seinem Gewissen zu folgen: indem er sich ein- für allemal erklärte, dass
alle Meinungen, welche mit der Ruhe des Staats und mit den guten Sitten nicht
unverträglich wären, sich seines Schutzes auf gleiche Weise zu erfreuen haben
sollten.
    Von dieser allgemeinen Duldung waren diejenigen allein ausgenommen, welche
unglücklich genug sein sollten, sich verbunden zu glauben, die Duldung, welche
sie für sich selbst verlangten, niemandem, der anders dächte als sie, angedeihen
zu lassen. Solche allein, sagt Tifan, sprechen sich ihr Urteil selbst: indem sie
ihre störrige Unverträglichkeit öffentlich zu Tage legen, beweisen sie auf die
unleugbarste Weise ihre gänzliche Unfähigkeit zum geselligen Leben. Ferne sei es
gleichwohl von uns, sie, die durch eine solche Denkungsart schon elend genug
sind, mit einiger Strafe an Vermögen, Ehre, oder Freiheit deswegen zu belegen!
Aber dass wir sie für Glieder unsers gemeinen Wesens erkennen, dies können sie
ohne offenbare Unbilligkeit nicht erwarten. Sie mögen, so viel ihrer sind, ohne
einige Bedrückung von uns und unsern Untertanen, mit Hab und Gut aus unsern
Grenzen ziehen, und sich Wohnungen suchen wo sie wollen. Aber in Scheschian kann
und soll niemand geduldet werden, der nicht bereit ist seinen Nebenmenschen und
Mitbürgern alles Gute zu erweisen, was er will dass sie ihm erweisen sollen.«
»Itimadulet«, sagte Schach-Gebal, »die Verordnungen meines guten Bruders Tifan
haben einen ganz eigenen Ton, der nicht der gewöhnliche Kanzleiton ist; aber ich
dächte, dass dies der gute Ton ist. Er begnügt sich nicht zu befehlen; er
überzeugt den Menschenverstand, dass seine Befehle gerecht und billig sind. Dies
muss notwendig eine gute Wirkung tun.«
    »Tifans Verordnung tat eine sehr gute«, versetzte Danischmend. »Sie bahnte
ihm den Weg zu seinem großen Vorhaben, und setzte die Gemüter unvermerkt in die
Fassung, Neuerungen, zu welchen ein Teil der Scheschianer ohnehin schon gestimmt
war, ohne Widerwillen anzusehen.
    Bald darauf ging er weiter. Er hatte, seitdem er in Scheschian lebte, unter
den Bonzen und sogar unter den Ya-faou selbst nicht wenige angetroffen, welche
besser dachten als die übrigen, und nicht ohne innerliche Beschämung sich als
die niedrigen Werkzeuge betrachteten, wodurch Dummheit und Aberglauben in ihrem
Vaterlande verewiget würden. Es kostete ihm wenig Mühe, alle Priester von diesem
Schlage in kurzer Zeit zu seinem Vorhaben zu gewinnen; und nachdem er sich
einmal einer ziemlichen Anzahl derselben völlig versichert hatte, konnte er sie
ohne Bedenken den Anfang machen lassen, dem Volke stufenweise Begriffe
beizubringen
