 - mit Hilfe seines guten Genius und des
Zufalls gleichwohl seine Rolle ganz erträglich spielte, und sie vielleicht mit
der Zeit wohl gar vortrefflich zu spielen gelernt haben würde, wenn die
Derwischen und Bonzen (die sich's nicht aus dem Kopfe bringen ließ, dass er
böse Absichten wider sie im Schilde führe) nicht Mittel gefunden hätten, ihn dem
Sultan seinem Herrn verdächtig zu machen. In der Tat geschah dem ehrlichen
Danischmend Unrecht: denn niemand konnte von irgend einer übeltätigen Absicht
gegen sie entfernter sein als er; er, der den bloßen Schatten des Unrechts
tödlich verabscheuete, und nicht fähig gewesen wäre, den geringsten unter allen
Fakirn ohne Regungen der Menschlichkeit leiden zu sehen. Aber bei diesen Herren
war es eine ausgemachte Sache, dass ein Mann, der sie gern zu bessern Leuten
machen wollte, als sie zu sein Lust hatten, ihr geschworner Feind sei:44 und da
sie unter Schach-Gcbals Regierung einen desto größeren Einfluss hatten, je
abgeneigter ihnen der Sultan war; so war es noch immer viel Glück für den guten
Danischmend, dass er mit dem Verlust seiner Ehrenstelle und einer kleinen
Entschädigung davon kam, die ihn in den Stand setzte, in seinen alten Tagen,
fern vom Hofe und vom Geräusche des geschäftigen Lebens, seinen Betrachtungen
über eine Welt, die ihn vergessen hatte, nachzuhängen, und oft bei sich selbst,
so herzlich als Demokritus, zu lachen, wenn er sich an alles, was er gesehen
hatte, erinnerte; besonders wenn ihm wieder einfiel, dass er Hofphilosoph bei
Schach-Gebal, Aufseher über die Bonzen und über das königliche Theater, Biograph
der Könige von Scheschian, und, was das Lustigste unter allen war, etliche
Monate lang sogar Itimadulet von Indostan gewesen war.
    Wir hoffen, Freund Danischmend werde sich durch seine Betrachtungen, durch
die Episode von dem Emir und den Kindern der Natur, und durch den guten Willen,
der aus seiner Erzählung von den Königen in Scheschian allenthalben
hervorsticht, dem geneigten Leser schon so wohl empfohlen haben, dass diese
kleine Abschweifung, wozu er uns veranlasst hat, keiner Abbitte vonnöten haben
werde. Und so lenken wir ohne weiteres wieder in den Weg unsrer Geschichte ein.
    Die Beförderung des weisen Danischmend zum ersten Minister machte keine
Veränderung in seinem Amte, den Schlaf des Sultans seines Herrn durch Erzählung
der Denkwürdigkeiten von Scheschian zu befördern. Die Geschichte der von Tifan
ausgeführten Staatsverbesserung wurde also bei der ersten Gelegenheit wieder
vorgenommen; und da Schach-Gebal nochmals sein Verlangen äußerte, zu hören wie
es den blauen und feuerfarbnen Bonzen dabei ergangen sei, so befriedigte
Danischmend seinen Willen durch folgenden Bericht.
    »Die Grundsätze und die gereinigten Empfindungen, welche der weise Dschengis
seinem Pflegesohn über den erhabensten Gegenstand, der die
