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mit Nachdruck gegen den gemeinschaftlichen Feind zu arbeiten. Ogul-Kan wurde
also in kurzer Zeit ruhiger Besitzer des scheschianischen Reiches. Das Volk,
welches in mehr als Einer Betrachtung bei dieser Staatsveränderung gewann,
dachte nicht daran, und konnte nicht daran denken, seinem Befreier Bedingungen
vorzuschreiben. Die ehmaligen Großen, welche daran dachten, waren nicht mehr die
Leute, die sich eine solche Freiheit mit ihrem Überwinder hätten heraus nehmen
dürfen, und mussten sich gefallen lassen, selbst das wenige, was ihnen von ihrer
verlorenen Größe gelassen wurde, als eine Gnade aus seinen Händen zu empfangen.
Die Verfassung des neuen Reichs von Scheschian war also diejenige einer
unumschränkten Monarchie; das ist, das Reich hatte gar keine Verfassung, sondern
alles hing von der Willkür des Eroberers ab, oder von dem Grade von Weisheit
oder Torheit, Güte oder Verkehrtheit, Billigkeit oder Unbilligkeit, wozu ihn
Temperament, Umstände, Laune und Zufall von Tag zu Tage bestimmen mochten.
    Zum Glücke für die Überwundnen war der König Ogul, wie die meisten
tatarischen Eroberer, eine ganz gute Art von Fürsten« -
    »Wenn es geschehen könnte ohne Sie zu unterbrechen, Madam«, sagte
Schach-Gebal, »so möchte ich wohl wissen, was Sie mit Ihrer ganz guten Art von
Fürsten sagen wollen?«
    »Sire«, erwiderte die schöne Nurmahal, »ich gestehe, dass nichts
Unbestimmteres ist als dieser Ausdruck. Das was man gewöhnlich eine ganz gute
Art von Fürsten zu nennen pflegt, dürfte wohl öfters eine sehr schlimme Art von
Fürsten sein; aber so war es nicht in gegenwärtigem Falle. Ogul-Kan hatte zwar
einige beträchtliche Untugenden. Er war so eifersüchtig auf seine willkürliche
Gewalt, dass man gar leicht das Unglück haben konnte ihn zu beleidigen; beleidigt
war er rachgierig, und in seiner Rache grausam. Außerdem hatte er die schlimme
Gewohnheit, alle schöne Frauen als sein Eigentum anzusehen; und, wenn er den
Wein weniger geliebt hätte, würde ihm sogar der berühmte Sultan Salomon in
diesem Stücke habe weichen müssen. Aber diese Fehler« -
    »Es sind sehr wesentliche Fehler«, sagte Schach-Gebal -
    »Ohne Zweifel, Sire«, versetzte Nurmahal: »aber wenige Völker und Zeiten
sind so glücklich, mit einem Fürsten beseligt zu werden, an welchem selbst seine
Fehler liebenswürdig sind; wenn man anders Fehler nennen kann, was allein in dem
Übermaß gewisser Vollkommenheiten seine Quelle hat« -
    »Kleine Schmeichlerin!« sagte Schach-Gebal, indem er sie sanft auf einen
ihrer Arme klopfte, dessen schöne Form ihre weiten zurück geschlagenen Ärmel
sehen ließ; ein kleiner Umstand, der die beste Vorlesung am Bette Seiner
Hoheit hätte unnütz machen können, wenn Zeit und Gewohnheit unsern Sultan nicht
zu
