 sie zu suchen. Überdies
vermied er in Absicht auf diejenigen, die zunächst um ihn waren, einen
gedoppelten Fehler, welchen viele Große zu begehen pflegen. Um zu zeigen, dass
sie keinen Günstling haben, um keine Eifersucht unter ihren Dienern zu
veranlassen, um ihre vollkommne Unparteilichkeit zu beweisen, begegnen sie einem
ungefähr wie dem andern, und das größte Talent, das wichtigste Verdienst, sieht
sich mit einer Menge mittelmässiger und verdienstloser Leute in Einen Klumpen
zusammen geworfen. Oft geschieht es, dass ein Regent bloß durch übertriebene
Zurückhaltung, oder durch das Vorurteil, dass ein Diener, wenn er auch alles
getan habe, doch nur seine Schuldigkeit getan habe, seinen redlichsten und
besten Dienern den Mut benimmt, ihren Eifer niederschlägt, und eben deswegen
nicht die Hälfte des Nutzens erhält, den er und der Staat von ihnen ziehen
könnten. Noch andre berauben sich der guten Dienste würdiger Männer durch die
unglückliche Gemütsart, wegen kleiner Fehler den Wert der wichtigsten Vorzüge zu
verkennen; durch immer währendes Misstrauen und Geneigteit, bei allem was
Menschen tun, immer die unedelsten Bewegursachen vorauszusetzen; durch die
Gewohnheit, ihre Diener um der unerheblichsten Dinge willen zu schikanieren,
ihnen kein Verdienst anders als gezwungener Weise, und nur wenn es unmöglich ist
noch eine Einwendung dagegen aufzubringen, einzugestehen, usf. In allen diesen
Betrachtungen verdiente Tifan von den Regenten zum Vorbilde genommen zu werden.
Seine unermüdete Aufmerksamkeit; sein aufmunternder Beifall; seine Geneigteit
eher einen Fehler als ein Verdienst zu übersehen; seine Klugheit jeden in sein
gehöriges Licht zu stellen, jeden zu demjenigen zu gebrauchen, wozu er die
meiste Tüchtigkeit hatte; die Gerechtigkeit, womit er sein Vertrauen jedem nach
dem Grade des persönlichen Wertes und der wirklichen Verdienste zumass; sein
Bemühen das Unangenehme in einem Auftrage durch die Leutseligkeit seines Tons
oder durch eine verbindliche Wendung zu versüßen; die Achtung, womit er seinen
Dienern überhaupt zu begegnen pflegte, und womit er sie desto stärker
aufmunterte, selbige zu verdienen, weil er gegen alle Fehler, die aus einem
schlimmen Herzen oder aus Mangel an Empfindung für Ehre und Rechtschaffenheit
entsprangen, sehr streng war: - alle diese Eigenschaften brachten bei seinen
Untergebenen eine beinahe wundertätige Wirkung hervor. Niemals ist ein Fürst von
bessern Leuten, und muntrer, sorgfältiger, redlicher bedient worden als Tifan.
Wer wollte nicht einem so liebenswürdigen Fürsten dienen? sagte man: er besitzt
das Geheimnis, die beschwerlichsten Pflichten zum Vergnügen zu machen, und ein
einziger Blick von ihm belohnt besser als die reichsten Belohnungen eines
andern. Kein Wunder also, dass Tifans Regierung ein Muster einer weisen und
glücklichen Staatsverwaltung war; dass er so große Dinge zu Stande brachte; dass
Scheschian unter ihm von der untersten Stufe des Elends bis zum Gipfel der
Nationalglückseligkeit empor stieg.
