 zu weit. Aber Schach-Gebal
erklärte sich darüber auf eine Art, die ihn (wenigstens in unsern Augen)
wirklich hochachtungswürdig macht. »Ich wünschte«, sagte er, »so vollkommen zu
sein, dass ihr Schmeichler in die Unmöglichkeit gesetzt wäret, zu viel Gutes von
mir zu sagen. Aber seid versichert, ich täusche mich selbst nicht. Ich weiß, was
an der Sache ist; mehr ist unnötig zu sagen. - Wo blieben wir, Danischmend?«
    »Bei dem, was nach der damaligen Lage der Umstände die notwendige Folge von
Tifans seltenen Verdiensten war. Tifan tat sich unter seiner Partei (zu welcher
alles, was noch einen Funken von Redlichkeit und Vaterlandsliebe in sich fühlte,
sich geschlagen hatte) so sehr hervor, dass er in ziemlich kurzer Zeit von Stufe
zu Stufe bis zur Würde eines Feldherrn stieg; und da derjenige, der bisher die
Seele der Partei gewesen war, in einem Treffen blieb, ward er, einhellig und
ohne einen Nebenbuhler zu haben, an dessen Platz gestellt.
    So groß Tifans Vorzüge und Verdienste waren, so muss man doch gestehen, dass
er auch von den Umständen, die zu seiner Erhebung mitwirken mussten, ungewöhnlich
begünstigt wurde. Das Glück schien aus Liebe zu ihm seiner natürlichen
Unbeständigkeit entsagt zu haben, um ihm in allen seinen Unternehmungen den Weg
zu bahnen, alle widrige Zufälle von ihm zu entfernen, und die übrigen zu Mitteln
seiner Erhöhung zu machen. Gleichwohl konnte alles was diese, für ihn allein
nicht launische Göttin zu seinem Vorteil tat, nicht verhindern, dass nicht der
Erfolg mehr die natürliche Frucht seiner Tugend als ein Geschenk des Zufalls zu
sein geschienen hätte. Unser Held war nicht nur selbst tugendhaft; er hatte die
Gabe, auch diejenigen so zu machen, die um ihn waren. Was bei edleren Seelen ein
sympatetischer Trieb, und ein tiefes Gefühl der Göttlichkeit der Tugend, die in
ihm vermenschlicht schien, zuwege brachte, wirkte bei andern die Begierde seinen
Beifall zu verdienen, und eine Eifersucht, die durch ein edles Ziel zu einer
rühmlichen Leidenschaft wird. Sein Anblick, sein bloßer Name setzte seine
Freunde und Gefährten in Begeisterung. Von Tifan angeführt glaubten sie mehr als
gemeine Menschen zu sein - und waren auch mehr. Seine Beredsamkeit vollendete
das Werk seines Beispiels. Die Scheschianer - gleich einem armen Fündling, der,
nachdem er sich lange für einen verwahrloseten Auswurf der Natur angesehen,
unverhofft von einem edelen und zärtlichen Vater erkannt wird - empfanden wieder
das Glück ein Vaterland zu haben; ihre Seelen entzündeten sich bei diesem
Gedanken; jeder vergaß darüber sein besonderes Selbst, fühlte dies Selbst nur im
Vaterlande, und verlor unvermerkt allen Begriff, anders als durch das allgemeine
Glück glücklich sein zu können
