 körperlichen
Wollüste, Gleichgültigkeit gegen alle Reizungen zur Untreue an seinen Pflichten,
Leutseligkeit und Sanftmut gegen seine Untergebenen, Ehrerbietung gegen Alter,
Weisheit und geprüfte Tugend, einnehmende Gefälligkeit gegen seinesgleichen;
wiewohl er in der Tat mit allen diesen Eigenschaften der einzige in seiner Art
war. Und, was seinem Verdienste die Krone aufsetzte, er fand das Geheimnis, mit
so vielen Vollkommenheiten von jedermann geliebt zu werden.«
    »Dies Geheimnis braucht doch wohl keines für uns zu sein?« sagte Gebal mit
einem Blicke, wodurch er den Erzähler in Verlegenheit setzen zu wollen schien.
    »Auf keine Weise«, erwiderte Danischmend: »das ganze Geheimnis besteht in
einem Hausmittel, das leicht zu entdecken, aber nicht leicht zu gebrauchen ist.
Eine ungezwungene Bescheidenheit zog einen Schleier über seine Vorzüge, der
ihren Glanz milderte, ohne verhindern zu können dass sie Aufmerksamkeit und
Bewunderung erregten. Seine Bemühung gegen jedermann gerecht zu sein, geringere
Verdienste zu sich empor zu heben, und den Belohnungen, welche ihn suchten,
auszuweichen, so lange noch jemand da war der ein näheres Recht zu haben glauben
konnte; seine Bereitwilligkeit, unter Männern zu dienen die er an Talenten weit
übertraf; seine Geschicklichkeit ihnen bei entscheidenden Gelegenheiten seine
Gedanken, als ob es die ihrigen wären, unterzulegen, und die Uneigennützigkeit
sie den Ruhm genießen zu lassen, den er für sie verdient hatte, zufrieden wenn
nur das Gute getan wurde, der Anteil, den er selbst daran hatte, mochte bekannt
werden oder unbekannt bleiben: alles dies versöhnte den Neid und die Eifersucht
mit seinen Vorzügen. Seine Tugend warf so viel Glanz auf diejenigen, die um ihn
waren, dass jedermann stolz darauf war in irgend einem Verhältnisse mit ihm zu
stehen. Dies hat Tifan auf meinen Befehl getan, sagte ein alter Feldherr - ich
focht an seiner Seite, sagte der junge Befehlshaber - wir hatten Tifan an unsrer
Spitze, sagten die Gemeinen -, und jeder glaubte sich selbst durch nichts mehr
Ehre machen zu können, als etwas durch Tifan, oder mit Tifan, oder unter Tifan
getan zu haben.«
    »Wisst Ihr Danischmend«, sagte der Sultan, »dass mir Euer Tifan zu gefallen
anfängt? Es ist wahr, man merkt je länger je mehr, dass er nur der phantasierte
Held eines politischen Romans ist. Aber, beim Bart des Propheten! man kann sich
nicht erwehren zu wünschen, dass man dreißig Jahre jünger sein möchte, um eine so
schöne Phantasie wahr zu machen!«
    Niemals hatte Schach-Gebal etwas gesagt, das ein recht schönes Kompliment
von Seiten seiner Gesellschaft besser verdient hätte. Danischmend, der bei
solchen Gelegenheiten nicht sparsam zu sein pflegte, trieb, vermöge der
gewöhnlichen Wärme seines Herzens, die Sache beinahe
