. Der Einfall schien um so viel
glücklicher zu sein, als er Gelegenheiten herbeiführte, dem Sultan mit guter Art
Wahrheiten beizubringen, die man, auch ohne Sultan zu sein, sich nicht gern
geradezu sagen lässt.
    Man dachte also unverzüglich an die Ausführung: und da man den besten Kopf
von ganz Indostan (welches freilich in Vergleichung mit europäischen Köpfen
nicht viel sagt) dazu gebrauchte; so kam in kurzer Zeit dieses gegenwärtige Werk
zu Stande, welches Hiang-Fu-Tsee, ein wenig bekannter Schriftsteller, in den
letzten Jahren des Kaisers Tai-Tsu, unter dem Namen des goldnen Spiegels ins
Sinesische, - der ehrwürdige Vater J.G.A.D.G.J. aus dem Sinesischen in sehr
mittelmässiges Latein, und der gegenwärtige Herausgeber aus einer Kopie der
lateinischen Handschrift, in so gutes Deutsch, als man im Jahre 1772 zu
schreiben pflegte, überzutragen würdig gefunden hat.
    Aus dem Vorberichte des sinesischen Übersetzers lässt sich schließen, dass
sein Buch eigentlich nur eine Art von Auszug aus der Chronik der Könige von
Scheschian ist, welche zur Ergetzung und Einschläferung des Sultans Gebal
verfertigt worden war. Er verbirgt nicht, dass seine vornehmste Absicht gewesen,
den Prinzen aus dem Hause des Kaisers Tai-Tsu damit zu dienen, denen es (wie er
meint), unter dem Schein eines Zeitvertreibs, Begriffe und Maximen einflößen
könnte, von deren Gebrauch oder Nichtgebrauch das Glück der sinesischen
Provinzen größten Teils abhangen dürfte. So alt diese Wahrheiten sind, sagt er,
so scheint es doch, dass man sie nicht oft genug wiederholen könne. Sie gleichen
einer herrlichen Arznei, welche aber so beschaffen ist, dass sie nur durch
häufigen Gebrauch wirken kann. Alles kommt darauf an, dass man immer ein anderes
Vehikel zu ersinnen wisse, damit sowohl Kranke als Gesunde (denn sie kann diesen
als Präservativ, wie jenen als Arznei dienen) sie mit Vergnügen hinab schlingen
mögen.
    Was die hier und da der Erzählung eingemischten Unterbrechungen und
Episoden, besonders die Anmerkungen des Sultans Gebal betrifft, so versichert
zwar Hiang-Fu-Tsee, er hätte sie von guter Hand, und wäre völlig überzeugt, dass
die letztern wirklich von besagtem Sultan herrührten: allein dies hindert nicht,
dass der geneigte Leser nicht davon sollte glauben dürfen was ihm beliebt.
Wenigstens scheinen sie dem Charakter Schach-Gebals ziemlich gemäß; und eben
daher würde es unbillig sein, zu verlangen, dass sie so sinnreich und
unterhaltend sein sollten, als die Reflexionen Schach-Bahams, des Weisen.
 
                                  Erster Teil
                                        
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»Von Scheschian?« rief Schach-Gebal: »mir deucht, ich kenne diesen Namen. Ist es
nicht das Scheschian, wo der Hiof-Teles-Tanzai König war,
