 in die reizenden Irrgärten
des andern sich zu verirren. Diese Leute gaben sich das Ansehen, dem besagten
Schriftsteller in allem beizustimmen, einen einzigen Punkt ausgenommen. Er hat
recht, sagten sie, so lang er in seinem wahren Charakter bleibt, so lang er das
Eitle der menschlichen Begriffe und Leidenschaften schildert, und das
Lächerliche ihrer Forderungen an Weisheit und Tugend aufdeckt. Aber er schwärmt
selbst, sobald er von schönen Seelen, von der Zauberei der Empfindung, von
Sympatie mit der Natur, und von der Göttlichkeit der Tugend fabelt. Es gibt
keine schöne Seelen, und nur ein Tor glaubt an die Tugend. Was die Menschen
Tugend nennen, besteht, wie die Münze in gewissen Ländern, in einer Anzahl
abgeredeter Zeichen, welche man unter einem gewissen Stempel für einen gewissen
Preis in Handel und Wandel gelten zu lassen übereingekommen ist. Der innere Wert
kommt dabei gar nicht in Betrachtung. Dem Korn nach ist eben so wenig
Unterschied zwischen dem Schelm, der gehangen wird, dem Nachrichter, der ihn
hängt, und dem Richter, der ihn hängen lässt, als zwischen dem geschmeidigen
Europäer, dem aufgeblasenen Perser, dem andächtigen Armenier, dem höflichen
Sinesen, und dem rohen Kamtschadalen. Das Gepräge macht den ganzen Unterschied.
    Die Leute, welche so dachten, fanden bald Anhänger genug, um eine zahlreiche
Sekte auszumachen. Sie nannten sich die Philosophen, und wer nicht von ihrer
Brüderschaft war, hatte die Freiheit von den Titeln Betrüger oder Schwärmer
welchen er wollte auszuwählen. Denn nach ihren Grundsätzen musste er notwendig
eines von beiden sein. Der ehrliche Kador erfuhr die Kränkung, von der
kurzsichtigen Menge mit diesen anmasslichen Philosophen in Eine Linie gestellt zu
werden, weil sie zuweilen seine Sprache redeten, und in gewissen Stücken eben
das zu tun schienen, was Er getan hatte. Man konnte oder wollte nicht gewahr
werden, dass nichts verschiedener sein konnte, als der Geist, welcher ihn, und
der welcher diese Philosophen beseelte, und als der Endzweck, den Er und Sie
sich vorgesetzt hatten. Wenn Er des Schwärmers spottete, und den Afterweisen,
den Betrüger, oder den Selbstbetrogenen ihrer Ansprüche an Weisheit und Tugend
entsetzte: so geschah es auf eine Weise, welche in Personen von gesundem Urteile
keinen Zweifel veranlassen konnte, dass er es nicht redlich mit Wahrheit und
Tugend meine. Wenn Sie hingegen eben dies zu tun schienen, fiel es in die Augen,
dass ihre Absicht sei, die Tugend selbst lächerlich zu machen, und den ewigen
Unterschied zwischen wahr und falsch, Recht und Unrecht aufzuheben. Der Schmerz,
sich mit einer Klasse von Menschen, die er verachtete, vermengt zu sehen, und
die Gefahr, durch den Mutwillen der einen und den Unverstand der andern wider
seinen Willen Böses
