 eine Dame des Serails, eine erklärte Verehrerin der großen
Scheherezade, die Märchen der Tausend und Einen Nacht in Vorschlag. Aber
Schach-Gebal hatte die Gabe nicht (denn wirklich ist sie ein Geschenk der Natur
und keines ihrer schlechtesten), der wunderbaren Lampe des Schneiders Aladdin
Geschmack abzugewinnen, oder die weißen, blauen, gelben und roten Fische amüsant
zu finden, welche sich, ohne ein Wort zu sagen, in der Pfanne braten lassen, bis
sie auf einer Seite gar sind, aber, sobald man sie umkehrt, und eine
wunderschöne Dame, in beblümten Atlas von ägyptischer Fabrik gekleidet, mit
großen diamantnen Ohrengehängen, mit einem Halsbande von großen Perlen und mit
rubinenreichen goldnen Armbändern geschmückt, aus der Mauer hervor springt, die
Fische mit einer Myrtenrute berührt, und die Frage an sie tut: Fische, Fische,
tut ihr eure Schuldigkeit? alle zugleich die Köpfe aus der Pfanne heben, das
einfältigste Zeug von der Welt antworten, und dann plötzlich zu Kohlen werden.
Schach-Gebal, anstatt dergleichen Historien, wie sein glorwürdiger Ältervater,
mit glaubigem Erstaunen und innigstem Vergnügen anzuhören, wurde so ungehalten
darüber, dass man mitten in der Erzählung aufhören musste. Man versuchte es also
mit den Märchen des Visirs Moslem, in welchen unstreitig ein großes Teil mehr
Witz, und unendliche Mal mehr Verstand und Weisheit, unter dem Schein der
äußersten Frivolität, verborgen ist. Aber Schach-Gebal hasste die dunkeln Stellen
darin, nicht weil sie dunkel, sondern weil sie nicht noch dunkler waren; denn er
hatte wirklich zu viel gesunden Geschmack, um an Unrat, so fein er auch
zubereitet war, Gefallen zu finden; und überhaupt deuchte ihm die mehr
wollüstige als zärtliche Fee Alles oder Nichts mit ihrer Prüderie und mit ihren
Experimenten, der Pedant Tacitürne mit seiner Geometrie, der König Strauss mit
seiner albernen Politik und mit seiner Barbierschüssel, und das ungeheure
Mittelding von Galanterie und Ziererei, die Königin der kristallnen Inseln, mit
allem was sie sagte, tat und nicht tat, ganz unerträgliche Geschöpfe. Er
erklärte sich, dass er keine Erzählungen wolle, wofern sie nicht, ohne darum
weniger unterhaltend zu sein, sittlich und anständig wären: auch verlangte er,
dass sie wahr und aus beglaubten Urkunden gezogen sein, und (was er für eine
wesentliche Eigenschaft der Glaubwürdigkeit hielt) dass sie nichts Wunderbares
enthalten sollten; denn davon war er jederzeit ein erklärter Feind gewesen.
Dieses brachte die beiden Omras, deren wir vorhin als wohl denkender Männer
Erwähnung getan haben, auf den Einfall, aus den merkwürdigsten Begebenheiten
eines ehmaligen benachbarten Reichs eine Art von Geschichtbuch verfertigen zu
lassen, woraus man ihm, wenn er zu Bette gegangen wäre, vorlesen sollte, bis er
einschliefe oder nichts mehr hören wollte
