 ein, wie
vormals zu einer Lustreise aufs Land oder zu einem Maskenball. Unvermerkt wurde
ein gewisser Schnitt von Devotion ein unterscheidendes Merkmal der Hofleute, und
jedermann, wer an Erziehung und Lebensart Anspruch machte, bestrebte sich, sie
zu kopieren so gut er konnte. Wäre dies die schlimmste Wirkung des Einflusses
der schönen und devoten Gulnaze gewesen, so hätte man Ursache gehabt von Glück
zu sagen; die Erheiterung des scheschianischen Aberglaubens möchte den Übergang
zu einer gründlichen Verbesserung vielmehr befördert als gehindert haben. Aber
die Lebhaftigkeit ihrer Leidenschaften erlaubte ihr nicht der Zeit zu
überlassen, was sie durch Zwangsmittel in einem Augenblicke zu bewerkstelligen
hoffte. Nicht zufrieden, die Feuerfarbnen so weit herunter gebracht zu haben,
dass sie sich glücklich genug schätzten, wenn sie nur geduldet wurden, tat sie
dem Tsao-Faou ein feierliches Gelübde, nicht eher zu ruhen, bis sie Scheschian
von allen Anhängern seines Nebenbuhlers gereinigt haben würde. Ein königlicher
Befehl diente zum Vorwand, alle, welche sich weigerten dem blauen Affen zu
opfern, als Ungehorsame, und bei dem geringsten Widerstand als Aufrührer, mit
einer Härte zu bestrafen, welche endlich den Blauen selbst anstößig wurde.
Grausamkeiten, wovor der Menschlichkeit grauet, und wovon zu wünschen wäre dass
sie ohne Beispiele sein möchten, wurden, ohne Azors Wissen, in seinem Namen
ausgeübt, und sind das einzige was die letzten Jahre seiner Regierung der
Vergessenheit entzogen hat; bis er endlich, beladen mit dem allgemeinen Hasse
seines Volkes, zu spät für seinen Ruhm vom Schauplatz abtrat. Ein denkwürdiges
Beispiel, dass ein Fürst mit allen Eigenschaften eines liebenswürdigen
Privatmannes, mit wenig Lastern und vielen Tugenden, durch den bloßen Mangel
fürstlicher Eigenschaften so viel Böses stiften kann als der greulichste Tyrann.
Azor war weder ehrgeizig noch begierig nach dem Eigentum seiner Untertanen,
weder launisch, noch harterzig, noch grausam. Weit entfernt zu verlangen, dass
seine unüberlegtesten Einfälle für Gesetze und Göttersprüche gelten sollten,
oder, wie viele seines Standes, sich einzubilden, dass Scheschian bloß um
seinetwillen aus dem Chaos hervorgegangen sei, und seine Untertanen für eben so
viele Sklaven anzusehen, deren Glück oder Unglück, Sein oder Nichtsein, nur in
so fern als es sich auf seinen Vorteil beziehe, in Betrachtung komme, - war er
der leutseligste, der mitleidigste und wohltätigste Fürst seiner Zeit.
Unwissenheit in den Pflichten seines Standes, Unwissenheit in der Kunst zu
regieren, wollüstige Trägheit, und allzu großes Vertrauen zu seinen Günstlingen,
die er als seine Wohltäter ansah, weil sie ihm die Last der Regierung abnahmen,
Fehler der Erziehung, Schwachheiten des Herzens und des Temperaments, nicht
Laster waren es, die ihm die Liebe seiner Völker und die Hochachtung der
Nachwelt entzogen haben. Seine größten Fehler waren, dass er mit eignen
