, so würden sie ihm wenig
dadurch geschadet haben; denn wie schwach ist die Wirkung der Vernunft gegen
Schwärmerei und Aberglauben! Aber dreist versichern, dass er die bösen Geister
mit in seine Verschwörung gegen den Tsai-Faou gezogen habe, dies hieß ihm
wirklich einen gefährlichen Streich beibringen. Eine solche Anklage hatte
Wahrscheinlichkeit in den Augen des gemeinen Volkes: sie zog seine Neigung zum
Wunderbaren auf Huktus Seite; sie gab Gelegenheit zu einer unendlichen Menge
unglaublicher Erzählungen, welche man, mitten unter der Versicherung dass sie
unglaublich wären, begierig ausbreitete, mit selbst erfundenen Umständen
glaublicher zu machen beflissen war, und zuletzt wirklich glaubte. Kurz, Huktus
erhielt dadurch seine Absicht so vollkommen, dass der Pöbel in den meisten
Provinzen des Reichs entschlossen war, es eher auf das äußerste ankommen zu
lassen, als dem Glauben seiner Voreltern und dem feuerfarbnen Affen untreu zu
werden.
    »Vermutlich« (fährt Danischmend fort) »hätte Kalaf am weisesten gehandelt,
wenn er diese Beschuldigungen mit kalter Verachtung angesehen, und durch eine
zwar standhafte, aber ruhige und langsame Fortführung seines Plans, die
Hindernisse, die er in den Vorurteilen der halben Nation fand, zu besiegen
gesucht hätte. Aber sein Hochmut und seine Hitze vertrugen sich mit keinen so
gelinden Massnehmungen. Stolz auf seine Gewalt über den Geist der Sultanin Lili,
welche damals noch das Steuerruder führte, und verwegen gemacht durch den
schwärmerischen Eifer eines zahlreichen Anhangs, glaubte er stark genug zu sein,
die Widerspenstigen durch Zwangsmittel zu unterwerfen. Eine königliche
Verordnung, wovon er der Urheber war, erklärte alle diejenigen für Aufrührer,
welche sich weigern würden dem blauen Affen zu huldigen. Die Bildnisse des
Tsai-Faou wurden aus allen Pagoden weggeschafft, und mit andern von blauem
Porzellan ersetzt, wovon in den Vorhöfen der blauen Pagode eine schöne Fabrik
zum Vorteil derselben angelegt war. Alle Pagoden wurden mit Bonzen von Kalafs
Anhang besetzt, und diejenigen abgedankt, welche lieber ihren Einkünften als dem
feuerfarbnen Affen entsagen wollten. Diese Gewalttätigkeiten hatten den Erfolg,
den ein weiserer Mann als Kalaf ihm vorher gesagt hatte, ohne Glauben zu finden.
Tausend persönliche Beleidigungen, wodurch die Feuerfarbnen täglich zur Rache
gereizt wurden, der Übermut, womit die Blauen, als die siegreiche Partei, mit
ihren feuerfarbnen Mitbürgern verfuhren, und die öffentliche Verfolgung, welche
zuletzt über diese verhängt wurde, erschöpften endlich ihre Geduld. Ganze
Provinzen ergriffen die Waffen, und kündigten Azorn den Gehorsam auf, wofern er
seinen Untertanen nicht zum wenigsten die Wahl lassen würde, ob sie blau oder
feuerfarben sein wollten.
    Zum Glück für das Reich Scheschian erfolgte um eben diese Zeit eine
Veränderung bei Hofe, wodurch Lili von der Staatsverwaltung entfernt, und die
schöne Alabanda, eine heimliche Gönnerin der Feuerfarbnen, die Vertraute oder
vielmehr
