 ein blauer sein; denn blau war ihre Lieblingsfarbe. Kalaf, zu klug,
durch eine unzeitige Unbiegsamkeit in einem Punkte, woran ihm so wenig gelegen
war, sich der Frucht so vieler mühsamen Nachtwachen zu berauben, und
scharfsichtig genug, um beim ersten Blicke zu sehen was man aus einer Sache
machen kann, versicherte sie, dass er selbst immer geneigt gewesen sei sich für
den blauen Affen zu erklären, und dass er jetzt um so eifriger für ihn arbeiten
würde, da er das günstige Vorurteil seiner schönen Neubekehrten für nichts
Geringeres als die Wirkung eines übernatürlichen Einflusses halten könne. Von
dieser Stunde an hatte Gorgorix keinen stärkeren Verfechter als den Bonzen
Kalaf. Der Vertraute des Günstlings, welcher es unmöglich fand seiner Tänzerin
etwas abzuschlagen, war der erste unter den Hofleulen, der für die neue Meinung
gewonnen wurde. Der Vertraute gewann den Günstling, der Günstling die Sultanin,
die Sultanin den König ihren Sohn, und das Beispiel des Königs den ganzen Hof.
    Die erste große Folge dieses glücklichen Fortgangs war, dass Kalaf bald
darauf zur erledigten Würde eines Oberbonzen der Stadt Scheschian befördert
wurde.
    Huktus, ein Bonze von edler Geburt und großem Ansehen, hatte sich zu dieser
Würde die meiste Hoffnung gemacht, und alles angewandt sie zu erlangen. Unter
andern Umständen würde Kalaf kein furchtbarer Nebenbuhler für ihn gewesen sein;
aber Kalaf hatte sich einen Augenblick zu Nutze gemacht, da die persische
Tänzerin alles vermochte. Es ist wahr, es kostete ihm die Mühe, sie zu einer
kleinen Gefälligkeit gegen den Günstling der Königin zu überreden; und die
ärgerliche Chronik sagte sogar, dass er in seinem eigenen Hause Gelegenheit dazu
gemacht habe. Ein Beweggrund dieser Art konnte wohl dem Günstling hinreichend
scheinen, Kalaffen, der keine andre als die Verdienste eines geschmeidigen
Höflings aufzuweisen hatte, vor dem Bonzen Huktus, für den die Wünsche des
ganzen Volkes sprachen, den Vorzug zu geben; nur war er nicht hinlänglich,
diesen Vorzug vor den Augen der Nation zu rechtfertigen. Huktus verbarg seinen
Unmut unter dem Scheine der vollkommensten Gleichgültigkeit; aber sein Herz
kochte Rache. Die Streitigkeiten über Tsai und Tsao, an welchen er bisher aus
Klugheit wenig Anteil genommen hatte, schienen ihm Gelegenheit darzubieten,
diese Rache unter einem scheinbaren Vorwand auszuüben. Kalaf hatte sich an die
Spitze der Partei der Blauen gestellt: Huktus bedachte sich also nicht lange,
sich öffentlich für die Feuerfarbnen zu erklären. Der größte Teil der älteren
Bonzen und Ya-faou war auf seiner Seite: und da sich bald darauf auch diejenigen
unter den Großen von Scheschian, die mit der Regierung der Sultanin Lili nicht
zufrieden waren, zu ihnen schlugen; so machten sie eine Gegenpartei aus, deren
Absichten, Maßregeln und Bewegungen ernstaft genug wurden, um den Staat mit
