 mit dem herrischen Anstand eines
gelehrten Diktators vorzutragen, und allen, welche die Bündigkeit seiner Beweise
nicht so einleuchtend fanden als er selbst, mit einer Verachtung zu begegnen,
die seinen Gegnern unerträglich war. Man muss entweder ein Dummkopf sein, sagte
er, wenn man die Wahrheit meiner Entdeckungen nicht einsehen kann, oder sehr
boshaft, wenn man sie nicht sehen will. Diese unter den Gelehrten zu Scheschian
sehr gewöhnliche Art zu disputieren, hatte auch hier ihre gewöhnliche Wirkung.
Die Gemüter der Streitenden wurden immer mehr erbittert; die Streitfragen selbst
vermehrten sich täglich durch die Wut einander nichts einzugestehen; und eine
Menge von Leuten erklärte sich mit der größten Hitze für die eine oder die
andere Partei, ohne untersucht zu haben wer recht habe, oder zu einer solchen
Untersuchung geschickt zu sein.
    Unvermerkt verwandelte sich diese Fehde aus einem Wortkrieg in einen weit
aussehenden Religionsstreit, und jede Partei wandte alles an, sich zu
vergrößern: als Kalaf, ein junger Bonze, welcher Mittel gefunden hatte sich bei
Hofe in einiges Ansehen zu setzen, das bisher noch zweifelhafte Übergewicht
durch seinen Beitritt auf die Seite des Gorgorix zog. Nicht, als ob er sich im
geringsten für die Sache selbst interessiert hätte; denn er hatte sich nie die
Mühe genommen, das Buch dieses Ya-faou zu lesen, und niemand in der Welt
bekümmerte sich weniger als er, ob der große Affe blau, grün oder pomeranzengelb
sei. Aber Kalaf war ehrgeizig; er hatte ein Auge auf die Würde eines Oberbonzen
der Hauptstadt Scheschian, welche in kurzem ledig werden musste, und der blaue
Affe konnte ihm zu einem Vorhaben beförderlich sein, wozu er sich in dem
ordentlichen Laufe der Dinge wenig Hoffnung zu machen hatte. Sein gutes Glück
hatte ihn zu dem Amte erhoben, eine persische Tänzerin, deren rühmliche Fesseln
der Vertraute des ersten Günstlings der Sultanin Lili trug, von der Religion der
Gebern, worin sie erzogen war, zu der scheschianischen, für welche ihr Liebhaber
sich ungemein beeiferte, zu bekehren. Da die Tänzerin große Ansprüche an Witz
machte, so war dies eben kein leichter Auftrag. Allein Kalaf war ein
liebenswürdiger Mann, wenigstens in den Augen einer Tänzerin; er fand Mittel
sich vor allen Dingen ihres Herzens zu bemeistern, nicht zweifelnd, wenn er
einmal dieses gewonnen hätte, würde sich ihr Kopf nicht lange gegen seine Gründe
halten können. Er wusste ihrer Eitelkeit so gut zu schonen, und die Augenblicke,
welche seiner Unternehmung am günstigsten waren, so geschickt zu wählen, dass die
Tänzerin endlich gestehen musste, dass er sie überzeugt habe: aber sie erklärte
sich zu gleicher Zeit, wenn sie ja genötigt würde sich den großen Mitras unter
dem Bilde eines Affen vorzustellen, so sollte es doch schlechterdings kein
andrer als
