. Daher eine Quelle von Übeln, welche man nicht verstopfen darf, auch wenn
man es könnte, - der häufige Missbrauch von Dingen, wovon der rechte Gebrauch der
menschlichen Gesellschaft nützlich ist, und welchem abzuhelfen man bisher noch
keine andre Mittel erfunden hat, als solche, die dem Dienste gleichen, den der
gutherzige Bär in der Fabel seinem Freunde, dem Eremiten, erweist, da er, um
eine Fliege von der Nase seines schlafenden Freundes zu verjagen, einen Stein
ergreift, und auf Einen Wurf die Fliege und den Eremiten tötet.
    Die Scheschianer geben uns hiervon ein merkwürdiges Beispiel. Sie waren
unvermerkt klüger geworden als ihre Vorfahren. Ihre Begriffe von der wahren
Beschaffenheit der Dinge, von ihrem Verhältnis gegen die Menschen, und von dem
sehr wesentlichen Unterschiede zwischen den Gegenständen und den Vorstellungen,
die man sich davon macht, klärten sich je länger je mehr auf. Die Vorteile
dieser glücklichen Veränderung verbreiteten sich über das ganze Reich, wiewohl
sie nur von scharfsichtigen Beobachtern bemerkt wurden. Aber die Nachteile, die
damit verbunden waren, wahrzunehmen, dazu reichte das Gesicht des blödesten
Kopfes hin. So lange die Nation dumm war, konnte sie nicht missbrauchen - was sie
nicht hatte. Damals war die Quelle alles Übels, dass sie ihre Vernunft gar nicht
zu gebrauchen wusste. Jtzt, da die Scheschianer, wie junge Vögel, die Schwingen
ihres Geistes zu versuchen anfingen, begegnete es oft, dass sie zu hoch fliegen
wollten und fielen; oder dass sie sich unvorsichtig in Örter wagten, wo sie sich
in verborgene Schlingen verwickelten. Kurz, diejenigen, die entweder wirklich
mehr Witz hatten als andre, oder doch dafür angesehen sein wollten mehr zu
haben, fühlten nicht so bald die Freiheit, in welche Ogul-Kan ihre Vernunft
gesetzt hatte, als sie schon anfingen sie häufig zu missbrauchen. Es war wohl bei
den wenigsten so böse gemeint als es ihnen ausgelegt wurde. Wie leicht war es,
in der hüpfenden Freude, die einem Menschen natürlich ist, der nach einer langen
Gefangenschaft wieder freie Luft atmet und sich seiner Füße wieder nach eigenem
Gefallen bedienen darf, wie leicht war es da, die vorerwähnte Linie zu
überhüpfen, und vor lauter Freude - nicht mehr dumm zu sein, ein wenig närrisch
zu werden! Man hatte den Aberglauben als ein großes Übel kennen gelernt; man
bildete sich ein, sich nicht weit genug davon verlaufen zu können, und verlief
sich also in den entgegen gesetzten Abweg. Indessen war dies allerdings kein
geringes Übel, und verdiente die Aufmerksamkeit der Vorsteher des Staats um so
mehr, da es von den höheren Klassen unvermerkt auch zu den niedrigern überging.«
    Hier fiel der Sultan Danischmenden in die Rede. »Du berührst«, sagte er,
