 haben.
    Aber wie schön leuchtete die Bescheidenheit unsers weisen Landmanns hervor,
der mit der Menschenfreundlichkeit, womit der echte Philosoph die Toren zu
ertragen pflegt, den Eindruck verhehlte, den der fade Bel-esprit auf ihn machen
musste, ja sogar sich mit wahrer Herablassung erinnerte, eines von seinen
Schriftchen gelesen zu haben.
    Mir schien der ganze Vorgang, als ob ein armer Prahler mit lächerrlichem
Stolze den edelen Besitzer einer Goldmine ein Stückgen zackicht ausgeschnittenes
Flittergold zeigte, es zwischen seinen Fingern hin und her wendete und sich viel
mit dem Geräusche zugute täte, so er damit machen könnte, und wozu freilich der
Vorrat gediegenen Goldes des edelmütigen Reichen nicht tauglich ist; aber dieser
lächelte den Toren mit seinem Spielwerk leutselig an und dächte, es schimmert
und tönt ganz artig, aber du musst es vor dem Feuer der Untersuchung und dem
Wasser der Widerwärtigkeit9 bewahren, wenn dein Vergnügen dauerhaft sein soll.
    Herr** fragte den Bel-esprit nach den großen Männern in Frankreich, deren
Schriften er gelesen hätte und hochschätzte; aber er kannte sie, wie wir andern,
nur dem Namen nach und schob immer anstatt eines Mannes von gelehrten
Verdiensten den Namen eines reichen oder großen Hauses ein.
    Ich, die schon lange über den übelen Gebrauch, den man von der Gesellschaft
und Gefälligkeit des Herrn** machte, erbost war, zumal da ihn dem ungeachtet
alle um sich haben wollten und mich wie neidischsumsende Wespen hinderten, etwas
Honig für mich zu sammeln, auch nur den Pariser immer reden machten: ich warf
endlich die Frage auf: Was für einen Gebrauch die französischen Damen von dem
Umgang ihrer Gelehrten machten? Ich vernahm aus der Antwort, sie lernten von
ihnen:
    Die Schönheiten der Sprache und des Ausdrucks;
    Von allen Wissenschaften eine Idee zu haben, um hie und da etliche Worte in
die Unterredung mischen zu können, die ihnen den Ruhm vieler Kenntnisse
erhaschen hälfen;
    Wenigstens die Namen aller Schriften zu wissen und etwas, das einem Urteil
gleiche, darüber zu sagen;
    Sie besuchten auch mit ihnen die öffentlichen physikalischen Lehrstunden, wo
sie ohne viele Mühe sehr nützliche Begriffe sammelten;
    Ingleichem die Werkstätte der Künstler, deren Genie für Pracht und Vergnügen
arbeitet, und alles dieses trüge viel dazu bei, ihre Unterredungen so angenehm
und abwechselnd zu machen.
    Da fühlte ich mit Unmut die vorzügliche Klugheit der französischen
Eigenliebe, die sich in so edle nützliche Auswüchse verbreitet. Immer genug,
wenn man begierig ist, die Blüte der Bäume zu kennen; bald wird man auch den
Wachstum und die Reife der Früchte erforschen wollen.
    Wieviel hat diese Nation voraus, denn nichts wird schneller allgemein als
der Geschmack des Frauenzimmers.
    Warum brachten seit so vielen Jahren die meisten unserer Kavaliere von ihren
Pariser Reisen ihren Schwestern und Verwandtinnen, unter
