 Welt immer
ein Gespenst bleiben. Dies ist meine Empfindung. Kein fliegender unwilliger
Gedanke. Ich war billig; ich legte keinem nichts zum Argen aus. Ich sagte zu
mir: Eine Erziehung, welche falsche Ideen gibt, das Beispiel, so sie ernährt,
die Verbundenheit wie andere zu leben, haben diese Personen von ihrem eignen
Charakter und von der natürlichen sittlichen Bestimmung, wozu wir da sind,
abgeführt: Ich betrachte sie als Leute, auf die eine Familienkränklichkeit
fortgepflanzt ist; ich will liebreich mit ihnen umgehen, aber nicht vertraut,
weil ich mich der Sorge, mit ihrer Seuche angesteckt zu werden, nicht enthalten
kann.
    So wünschen Sie mir dann eine dauerhafte Seelengesundheit, meine liebe
Freundin, und lieben Sie mich. Unserm ehrwürdigen Papa alles Gute! wie wird er
sich von seiner ihn so zärtlich besorgenden Emilie trennen können? Aber wie
glücklich treten Sie den Kreis des ehlichen Lebens an, da Sie den treuen Segen
eines würdigen Vaters und alle Tugenden Ihres Geschlechts mit sich bringen!
Grüssen Sie mir den auserwählten Mann, dessen Eigentum Sie mit allen diesen
Schätzen werden.
                                 Zweiter Brief
Es ist mir lieb, meine Emilia, dass Sie diesen Brief noch in dem väterlichen
Hause erhalten, weil er Ihnen eine scheinbare Verwirrung meiner Ideen zeigen
wird, wo unser Papa das beste Mittel, sie in Ordnung zu bringen, anzeigen kann.
Ich bin bei der Prinzessin von W** und dem ganzen Adel zur Erscheinung gebracht
worden und kenne nun den Hof und die große Welt durch mich selbst.
    Ich habe Ihnen schon gesagt, dass ich beide aus der Abschilderung kenne, so
mir davon gemacht worden. Lassen Sie mich dieses Gleichnis noch weiter brauchen;
es war meinem Auge nichts fremde. Aber denken Sie sich eine Person voll
Aufmerksamkeit und Empfindung, die schon lange mit einem großen Gemälde von
reicher und weitläuftiger Komposition bekannt ist. Oft hat sie es betrachtet,
und über den Plan, die Verhältnisse der Gegenstände und die Mischung der Farben
nachgedacht, alles ist ihr bekannt; aber auf einmal kommt durch eine fremde
Kraft das stillruhende Gemälde, mit allem, was es enthält, in Bewegung;
natürlicherweise erstaunt diese Person, und ihre Empfindungen werden auf
mancherlei Art gerührt. Diese erstaunte Person bin ich; die Gegenstände und
Farben machen es nicht; die Bewegung, die fremde Bewegung ist's, die ich
sonderbar finde.
    Soll ich Ihnen sagen, wie ich hier und da aufgenommen wurde? Gut,
allenthalben gut! denn für solche Begebenheiten hat der Hof eine allgemeine
Sprache, die der Geistlose ebenso fertig zu reden weiß als der
Allervernünftigste. Die Prinzessin, eine Dame von beinahe fünfzig Jahren, hat
einen sehr feinen Geist; in ihrem Bezeugen und in ihren Ausdrücken herrscht ein
Ton von Güte,
