 Lebens.
Jenes Fach füllen die Geschichtschreiber von England und die Hofzeitungen,
dieses die besten englischen Prediger aus. Ich habe mir die Naturhistorie von
England dazugenommen, und hievon reden wir in den Spaziergängen mit des Pfarrers
Familie, weil seine Frau und zwo Töchter sehr vernünftig sind und ich meine
Lieblingskenntnisse gern vermehre und ausbreite. Ich bin wohl und genieße einer
sanften Zufriedenheit, die aber eher einer Beruhigung als einem Vergnügen
gleichet, indem ich die eifrige Geschäftigkeit nicht in mir fühle, welche sonst
meine Empfindungen und Gedanken beherrschte. Vielleicht hat mich der Hauch der
sanften Schwermut getroffen, welche die besten Seelen der britischen Welt
beherrschet und die lebhaften Farben des Charakters wie mit einem feinen Duft
überzieht. Ich habe meine Laute und meine Stimme wieder hervorgesucht; beide
sind mir unschätzbar, wenn ich bei meinem Singen meine Lady mir einen Kuss
zuwerfen oder bei einem wohlgespielten Adagio ihre Hände falten sehe. Aber
urteilen Sie überhaupt, wie stark meine Liebe zu England sein musste, da ich,
ungeachtet der grausamen Erinnerungen, die ich von einem Eingebornen habe,
dennoch mit einiger Freude die Luft eines Parks atme und dieses Land für mein
väterliches Land ansehe. Ich habe die Kleidung und den Ton der Sprache ganz und
wünschte auch das Tun und das Bezeigen der Engländerinnen zu haben; aber meine
Lady sagt, dass alle meine Bemühungen den liebenswürdigen fremden Genius nicht
verjagen würden, der jede meiner Bewegungen regierte. Das Vertrauen ihrer Leute,
welches ich erworben, die außerordentliche Aufmerksamkeit auf ihre Lady und die
Ergebenheit, die sie ihr beweisen, welches sie als Folgen von jenem ansieht und
meinem Einfluss auf ihre Gemüter zuschreibt, dies ist von allem, was ich für sie
tue, dasjenige, wovon sie am meisten gerührt scheint und wofür sie mir die
zärtliche Dankbarkeit bezeugt. Wenige Abende bin ich hier ohne Empfindung einer
reinen Glückseligkeit schlafen gegangen, wenn mich die gute alte Lady aus ihrem
Bette segnete und ihre Hausbediente mit zufriedner Miene und einem liebenden Ton
mir gute Ruhe wünschten; und mit einer süßen Bewegung gehe ich morgens bei
Aufgang der Sonne in den Park, wo der Hirt mich wundernd ansieht und mir mit
seinem Knaben guten Morgen, gute Miss, zuruft. Dieser Zuruf dünkt mich in dem
Augenblick, wo ich auf der Flur die Wohltaten Gottes verbreitet sehe, ein
Zeugnis zu sein, dass ich auch gerne die Pflicht des Wohltuns übe; mit tränenden
Augen danke ich dann unserm Urheber, dass er mir diese Macht meines Herzens
gelassen hat. Sie wissen, dass mir ein Mooswäldchen und die geringsten Arten von
Blümchen vergnügte Stunden geben können; und sie denken also wohl, dass ich in
unserm Park diese alten Freunde meiner besten Lebenszeit aufsuche und mit
Rührung betrachte. Denn immer binden sich in mir die Ideen des Vergangenen
