 Herz zum Vertrauen und zur
Bereitwilligkeit, meinem Rate zu folgen. Die besten Sachen, so eine reiche und
glückliche Person gesagt hätte, würden wenig Eindruck gemacht haben; aber der
Gedanke, dass auch ich arm sei und andern unterworfen leben müsse, brachte
Biegsamkeit in ihre Gemüter. Ich fragte: was sie an meiner Stelle würden getan
haben? Sie fanden aber meine Moral gut und wünschten auch so zu denken. Darauf
ging ich in den Vorschlag ein, was ich an ihrem Platze tun würde; und sie waren
es herzlich zufrieden. O, dacht ich, wenn man bei Beweggründen zum Guten
allezeit in die Umstände und Neigungen der Leute einginge und der uns allen
gegebenen Eigenliebe nicht schnurstracks Gewalt antun wollte, sondern sie mit
eben der Klugheit zum Hilfsmittel verwände, wodurch der schmeichelnde Verführer
sie zu seinem Endzweck zu lenken weiß: so würde die Moral schon langst die
Grenzen ihres Reichs und die Zahl ihrer Ergebenen vergrößert haben.
    Eigenliebe! angenehmes Band, welches die liebreiche Hand unsers gütigen
Schöpfers dem freien Willen anlegte, um uns damit zu unsrer wahren
Glückseligkeit zu ziehen; wie sehr hat dich Unwissenheit und Härte verunstaltet
und die Menschen zu einem unseligen Missbrauch der besten Wohltat gebracht!
Lassen Sie mich zurückkommen.
    Am zweiten Tag stellte ich die Frau G. vor, und in ihrer Person sprach ich
mit Jungfer Lene von unsrer alten Liebe und wie gern ich ihr die Stelle gönnte,
die sie in meinem Hause zu vertreten hätte, da ich glaubte, sie würde den
Gebrauch eines guten Herzens davon machen. Ich sagte, was ich (nach dem Willen
der Frau G., mit der ich allein vorher gesprochen hatte) von ihr wünschte, wies
die Töchter an sie an und setzte hinzu: dass wir allezeit alles gemeinschaftlich
überlegen und vornehmen wollten. Sodann war ich zween Tage Jungfer Lene - und
die folgenden drei in der Stelle der drei Töchter.
    Unter dem Arbeiten machte ich sie durch Hilfe der Religion mit dem
beruhigenden Vergnügen bekannt, welches die Betrachtung der Natur in
verschiedenem Masse in unser Herz gießt. Frau Hills schaffte Bücher an, die ich
ausgesucht hatte, und die beiden Söhne mussten wechselsweise etwas daraus
vorlesen, wobei ich die Kinder immer Betrachtungen und Anwendungen machen
lehrte. Die zwo ältesten Mädchen haben viel Geschicke und Verstand. Ich lehrte
sie meine Tapetenarbeit und die Älteste Zeichnungen dazu zu machen. Ich
ermunterte ihren Fleiß durch den Stolz, indem ich ihnen sagte: dass sie diese
Arbeit entweder ganz an Kaufleute verhandeln oder sich um die Hälfte wieder neue
Wolle schaffen und für die andre etwas eintauschen könnten, so ihnen nötig wäre;
ich versprach ihnen auch, diese Arbeit sonst niemanden zu lehren. Nun sitzen des
Tags die zwo Mädchen und die Mutter daran, weil die Vorstellung
