 Volke gefunden hatte. Er ließ grosse5 Gebäude aufführen, in welchen
verschiedene Künstler mit kaiserlichen Besoldungen unterstützt für den Hof
arbeiteten: er zog diejenigen Künste vor, wobei eine gewisse Erfindungskraft
erfordert wurde, und worin der Verstand, und nicht einzig die Übung, der Kunst
eine mehrere Vollkommenheit geben konnte. Er erhielt Mahler und Baumeister: man
fand in eigenen Wohnungen andere Künstler, die aus Stahl und Erzt Gewehre für
den Kaiser zubereiteten; andere stickten und ahmten mit Seide die Blumen der
Natur nach; andere fassten mit Geschmack die Edelsteine des benachbarten
Indostans, und die persischen Perlen in Gold und Silber ein; noch andere woben
Sammte, deren Güte kein ander Volk erreichen konnte; wiederum andere gaben der
Seide und der Wolle die Hellesten und dennoch beständigsten Farben, die den
erfahrnen Europäern mangeln. Die geschicktesten wurden ansehnlich besoldet, und
der Lohn von aller ihrer Arbeit wurde ihnen unvermindert überlassen, sie waren
auch der kaiserlichen Güte für ihr ganzes Leben gewiss. Durch diese weise Anstalt
erhielt Persien auf einmal nicht nur eine Menge wirklich ausnehmender Künstler,
sondern auch eine vortreffliche Schule für das ganze Reich. Es genoss mehrere
Jahrhunderte nach dem Tode Usongs die Früchte seiner Weisheit. Da sonst die
Perser keine Erfinder sind, und die Bequemlichkeit den Gebrauch ihrer Gaben
dämpfet, so konnte man durch fremde und einberufene Erfinder, und durch
anschlägige Europäer, den Persern Muster vorstellen, die ihre nachahmende
Gemütsart zu leiten dienten. Man konnte von jedem Reiche Vorgänger in
denjenigen Künsten borgen, die in denselben einen bekannten Vorzug besaßen.
    Persien brachte es in der Tat in vielen Künsten auf eine ansehnliche Höhe.
Man verfertigt daselbst noch heut zu Tage die kostbarsten Goldstücke. Man webet
zu Yezd Stoffe, deren Zoll auf vier und zwanzig6 Unzen Silber zu stehen kommt.
Die persischen Tapeten sind ein Zierat für alle Reiche der Welt. Die
halbdurchsichtigen feinen irdenen Geschirre wurden härter als die von
Tschingtetsching, und die Farben höher. Die Gärberei, das Drechslen, die
zinnernen und küpfernen Gefäße, die Waffen, der Bogen, die Stahlarbeit, haben
in Persien einen Varzug vor dem ganzen Morgenlande. Die Seide machte in den
folgenden Zeiten die reichste Ware zur Ausfuhr von Persien aus: das Reich nahm
für dieses kostbare Gespinnst jährlich über tausend Centner Silber ein. Alle
diese Quellen ersetzten, was Persien aus andern Ländern zur Notdurft, oder zur
Pracht bedurfte, die so vieles überflüssiges zur Notwendigkeit macht: es
bereicherte sich, und zugleich seinen Beherrscher.
    Auch nicht das bloß Angenehme entgieng des Kaisers Aufmerksamkeit. Er ließ
zu Schiras, und hernach zu Tabris und zu Ispahan, königliche Gärten anlegen.
Hohe Reihen von schattigten Tschinaren, reine Wasserleitungen, sprudelnde
Springbrunnen, reiche Fruchtbäume, wurden dem Volke zur Lust zubereitet; denn
der Kaiser verbot,
