 Wesen angebohren war. Sie bat sich
einmal seine Gesellschaft aus, und wies ihm ihre Seidenhecken, ihre
Porcellanöfen, ihre Baumwollenmalereien, und die übrigen Anstalten, die unter
ihrer Aufmunterung erwachsen waren. Der Kaiser sah mit Vergnügen ein, dass die
bloße Natur ohne einige Hilfe der Kunst zureichte, das kostbare Gewürme
auszuhecken, und sein Gespinnst zum brauchbaren Stande zu bringen. Er berechnete
leicht, mit der richtigen Einsicht, die ihm eigen war, dass diese Seide
wohlfeiler, als die von zahmen und mit Menschenhänden gefütterten Würmern
erzielte Seide, und folglich eine Ware sein würde, die Persiens Seidenstoffen
einen Vorzug geben müsste. Er ließ die Erfindung, in freier Luft auf den Bäumen
die Würmer, ohne Zutun des Menschen, spinnen zu lassen, durch alle seine
Abgesandten bekannt machen, und verteilte durch die bequemsten Provinzen einen
Teil der chinesischen Arbeiter, die den Persern die leichten Handgriffe zeigen
sollten, zu dieser freiwilligen Gabe der Natur zu gelangen.
    Eben so vergnügt war er mit den vortrefflich gemahlten, und an Feinheit alle
abendländische Webereien übertreffenden baumwollenen Zeugen, deren Farben
unnachahmlich schön waren. Er gab das Beispiel, sie zu leichten Sommerkleidern
zu brauchen: der Hof und das Volk, das seinene Kaiser anbetete, verschaften den
Werkhäusern einen solchen Abgang, dass man die Arbeiter vermehren, und neue aus
China verschreiben musste. Persien gewann dabei große Schätze, die sich sonst
jährlich nach Masulipatan und Surat verloren hatten.
    Der Kaiser sagte zu seiner Geliebten, indem er sie innig umarmte: die
Hütten, die meine Liosua hat aufführen lassen, sind dem Reiche nützlicher, als
die Riesensäulen zu Tschehelminar, und als die Pyramiden zu Gize. Die wahre
Größe ist im Nutzen, und derjenige Fürst verherrlicht seinen Namen, der die
Untertanen durch Fleiß und Anschlägigkeit glücklich macht. Denn es wäre ein
Unsinn, wenn eine Königin der Peris18 mir schon Häuser voller Gold und Diamanten
zuwürfe, und ich dadurch jeden Perser reich, und alle Arbeit entbehrlich machen
wollte. Ich wünsche mir ein wohlhabendes Volk, aber das bloß durch seine Arbeit
reich werde. Liosua bereichert Persien zugleich an neuen Künsten, und an
ersparten Schätzen.
    Die Kaiserin besaß alle Gaben des Verstandes: sie machte sich die persische
Sprache in kurzer Zeit eigen, und da sie in den Gedichten des Saadi eine
Ähnlichkeit mit der Weisheit der Chineser gefunden hatte, so ließ sie dem
Sittenlehrer, dessen Überbleibsel nahe bei Schiras lagen, ein ansehnliches
Grabmal aufführen: sie hieß sein Lob auf eine marmorne Spitzsäule schreiben, und
bestellte zu seinem Grabe einen gelehrten Mollah, der alle Tage einige Verse des
weisen Dichters der Jugend vorlesen, und darüber Erklärungen beifügen sollte,
welche die Tugend reitzend abmahlten.
 
                                    Fußnoten
1 Intendans nennt sie Ohardin; Missi dominici hießen sie bei den Karlowingen
