, dem würdigen Liewang. Eines Weisen
Mutmaßungen sind Weissagungen. Usong beherrscht eines der größten Reiche der
Welt. Aber er wird erst alsdann sich glücklich schätzen, wann er seinen Thron
mit der tugendhaften Liosua teilen kann.
    Scherin übergab zugleich die Geschenke des Kaisers, die das Maas seiner
Hochachtung ausdrückten. Unter denselben waren verschiedene Bücher der
Abendländer über die Gesetze, und die Geschichte ihrer Reiche. Scherin, der an
der guten Auferziehung seines Fürsten Teil gehabt hatte, war der Übersetzer
dieser Werke, die für den weisen Liewang ein neuer und unerwarteter Schatz
waren, und die er weit über alle Perlen von Bahrein schätzte, weil sie die
Früchte der Weisheit entlegener Völker waren, die man in China für Barbaren
hielt.
    Die Bedachtsamkeit, die in China herrschet, erlaubte dem Freunde Usongs
nicht, eine schleunige Antwort zu hoffen. Er verreisete, dieweil sich Liewang
Zeit zum Bedenken nahm, zu den Mongalen: er eilte zum alten Timurtasch, dem, und
der Fürstin, er die fröhliche Nachricht der Erhaltung und der Erhebung Usongs
brachte, und die für seine Eltern vom Kaiser mitgegebenen Briefe und Geschenke
übergab. Die Freude so viele Jahre nach dem Verluste eines ihrer Liebe so
würdigen Sohnes zu vernehmen, dass er eine der Größe seines Anherrn, des
gefürchteten Tschengis, entsprechende Würde bekleide, zogen bei den Eltern
Freudentränen, und bei der ganzen Horde tausend Bezeugungen des allgemeinen
Vergnügens nach sich. Verschiedene Nowiane machten sich bereit, ihrem erlauchten
Verwandten ihre Dienste anzubieten, und tausend der tapfersten Mongalen waren
ihre Begleiter. Dieses ansehnliche Gefolge näherte sich dem Wege nach Kandahar,
und erwartete am See Tsarich die Kaiserin; denn Scherin hatte dem Fürsten
Timurtasch nicht verschwiegen, dass er hoffte, die Gemahlin des mächtigen Usongs
ihm zuzuführen.
    Nach einigen Monaten kam Scherin nach Singan zurück, und brachte Briefe vom
Fürsten Timurtasch mit, worin er den Zongtu um seine Tochter begrüssete, und
bezeugte, er würde eine so tugendhafte Fürstin mit Vergnügen in das Hans des
Tschengis eintreten sehen.
    Liewang zweifelte an der Einwilligung der vernünftigen Liosua nicht, die
nunmehr ihr achtzehntes Jahr erreicht, und durch tausenderlei Ausflüchte die
vorgeschlagenen Vermählungen bei dem liebreichen Vater abgebeten hatte. Die
Liebe des Fürsten von Kokonor, seine großen Eigenschaften, und der Adel seiner
Bildung, hatten auf das sanfte Herz der nachdenkenden Schönen einen großen
Eindruck gemacht. Von welcher Seite sie den Usong mit ihren Chinesen verglich,
so fand sie, alle andere Menschen schienen erschaffen zu sein, dass Usong über
sie herrschete. Die kleinen Tugenden die in China durch die Sitten erzielt
werden, verschwanden gegen die natürliche Größe, die aus allen Eigenschaften
des nunmehrigen Beherrschers von Persien strahlte.
    Dennoch trug Liewang diese Vermählung seiner Tochter, als eine
Entschließung vor, die er einzig von ihr erwartete
