 zu merken, dass er sie liebe, so wünschte er
wieder geliebt zu werden. Allein er liebte sie mit einer so uneigennützigen, so
geistigen, so begierdenfreien Liebe, als ob sie eine Sylphide gewesen wäre; und
der kühnste Wunsch, den er zu wagen fähig war, war nur, in derjenigen
sympatetischen Verbindung der Seelen mit ihr zu stehen, wovon ihm Psyche die
Erfahrung gegeben hatte. Wie angenehm (dacht er) wie entzückungsvoll, wie sehr
über alles, was die Sprache der Sterblichen ausdrücken kann, müsste eine solche
Sympatie mit einer Danae sein, da sie mit Psyche schon so angenehm gewesen war!
Zum Unglück für unsern Platoniker war dieses ein Plan, wozu Danae, welche dieses
mal keine Sylphide spielen wollte, sich nicht so gut anliess, als er es gewünscht
hatte. Sie fuhr immer fort sich in den Grenzen der Freundschaft zu halten, und,
die Wahrheit zu sagen, sie war entweder nicht geistig genug, sich von dieser
intellectualischen Liebe, von der er ihr so viel schönes vorsagte, einen rechten
Begriff zu machen; oder sie fand es lächerlich, in ihrem Alter und mit ihrer
Figur eine Rolle zu spielen, die, nach ihrer Denkungsart, sich nur für eine
Person schickte die im Bade keine Besuche mehr annimmt; wenn sie gleich allzu
bescheiden war, ihm dieses mit Worten zu sagen, so fand sie doch Mittel genug,
ihm ihre Gedanken über diesen Punkt auf eine vielleicht eben so nachdrückliche
Art zu erkennen zu geben. Gewisse kleine Nachlässigkeiten in ihrem Putz, ein
verräterischer Zephyr, oder ihr Sperling, der indem sie neben Agaton auf einer
Ruhebank saß, mit mutwilligem Schnabel an dem Gewand zerrte, das zu ihren Füßen
herabfloss, schienen seiner äterischen Liebe zu spotten, und ihm Aufmunterungen
zu geben, die ein minder bezauberter Liebhaber nicht nötig gehabt hätte. Danae
hatte Ursache mit der Wirkung dieser kleinen Kunstgriffe zufrieden zu sein.
Agaton, welcher sich angewöhnt hatte, den Leib und die Seele als zwei
verschiedene Wesen zu betrachten, und in dessen Augen Danae eine geraume Zeit
nichts anders, als (nach dem Ausdruck des Guidi) eine himmlische Schönheit in
einem irdischen Schleier gewesen war, vermengte diese beiden Wesen je länger je
mehr in seiner Phantasie mit einander, und er konnte es desto leichter, da in
der Tat alle körperlichen Schönheiten seiner Göttin so beseelt waren, und alle
Schönheiten ihrer Seele so lebhaft aus diesem reizenden Schleier
hervorschimmerten, dass es beinahe unmöglich war, sich eine ohne die andre
vorzustellen. Dieser Umstand brachte zwar keine wesentliche Veränderung in
seiner Art zu lieben hervor; doch ist gewiss, dass er nicht wenig dazu beitrug,
ihn unvermerkt in eine Verfassung zu setzen, welche die Absichten der schlauen
Danae mehr zu begünstigen als abzuschrecken
