 aus
demselben hervorschimmerte, zuzuschreiben haben würde. Allein das wusste Agaton
noch nicht; er musste also betrogen werden, und, so wie sie es anging, konnte sie
mit der größten Wahrscheinlichkeit hoffen, dass es ihr gelingen würde.
    Der weise Hippias hatte zuviel Ursache, den Agaton bei dieser Gelegenheit
zu beobachten, als dass ihm das geringste entgangen wäre, was ihn von dem
glücklichen Fortgang seines Anschlags zu versichern schien. Allein er
schmeichelte sich zuviel, wenn er hoffte, Kallias werde, in dem ecstatischen
Zustande, worin er zu sein schien, ihn zum Vertrauten seiner Empfindungen
machen. Das Vorurteil, welches dieser wider ihn gefasst hatte, verschloss ihm den
Mund, so gern er auch dem Strome seiner Begeisterung den Laufgelassen hätte.
Eine Danae war in seinen Augen ein so vortrefflicher Gegenstand, und das was er
für sie empfand, so rein, so weit über die brutale Denkungsart eines Hippias
erhaben; dass er durch eine unzeitige Vertraulichkeit gegen diesen Ungeweihten
beides zu enteiligen geglaubt hätte.
 
                                Zweites Kapitel
                     Eine kleine metaphysische Abschweifung
Es gibt so verschiedene Gattungen von Liebe, dass es, wie uns ein Kenner derselben
versichert hat, nicht unmöglich wäre, drei oder vier Personen zu gleicher Zeit
zu lieben, ohne dass sich eine derselben über Untreue zu beklagen hätte. Agaton
hatte in einem Alter von siebzehn Jahren für die Priesterin zu Delphi etwas zu
empfinden angefangen, das derjenigen Art von Liebe glich, die, nach dem Ausdruck
des Fieldings, ein wohlzubereiteter Rostbeef einem Menschen einflößt, der guten
Appetit hat. Diese Liebe hatte, ehe er selbst noch wusste, was daraus werden
könnte, der Zärtlichkeit weichen müssen, welche ihm Psyche einflößte. Die
Zuneigung, die er zu diesem liebenswürdigen Geschöpfe trug, war eine Liebe der
Sympatie, eine Harmonie der Herzen, eine geheime Verwandtschaft der Seelen, die
sich denen, so sie nicht aus Erfahrung kennen, unmöglich beschreiben lässt; eine
Liebe an der das Herz und der Geist mehr Anteil nimmt als die Sinnen, und die
vielleicht die einzige Art von Verbindung ist, welche, (wofern sie allgemein
sein könnte) den Sterblichen einigen Begriff von den Verbindungen und Vergnügen
himmlischer Geister zu geben fähig wäre. Wir sehen voraus, dass unsre meisten
Leser bei dieser Stelle die Nase rümpfen, und zweifeln werden, ob wir uns selbst
verstehen; allein wir lassen uns dieses gar nicht anfechten. Sancho, wenn er
(wie es ihm zuweilen begegnete) eine Menge schöner Sachen vorgebracht hatte,
wovon weder sein Herr noch irgend ein andrer, oder auch er selbst etwas
verstehen konnte, pflegte sich damit zu trösten, dass er sagte: Gott versteht
mich; und der Geschichtschreiber des Agatons kann es ganz wohl leiden, dass
diese und ähnliche Stellen seines Werkes von allen
