 indessen dass in seinen nur
selten von ihr abgewandten Augen etwas glänzte, für welches wir uns umsonst
bemüht haben, in der Sprache der Menschen einen Namen zu finden.
 
                                Sechstes Kapitel
                              Geheime Nachrichten
Wir haben von unserm Freunde Plutarch gelernt, dass sehr kleine Begebenheiten
öfters durch große Folgen merkwürdig werden, und sehr kleine Handlungen uns
nicht selten tiefere Blicke in das Inwendige der Menschen tun lassen, als die
feierlichen Handlungen, wozu man, weil sie dem öffentlichen Urteil ausgesetzt
sind, sich ordentlicher Weise in eine gewisse mit sich selbst abgeredete
Verfassung zu setzen pflegt. Die Gründlichkeit dieser Beobachtungen hat uns
bewogen, in der Geschichte der Pantomime, welche das vorige Kapitel ausfüllt, so
umständlich zu sein; und wir hoffen uns deshalb vollkommen zu rechtfertigen,
wenn wir diese Erzählung durch dasjenige ergänzen, was die liebenswürdige Psyche
betrifft, mit welcher der Leser schon im ersten Buche, wiewohl nur im
Vorbeigehen, bekannt zu werden angefangen hat. Diese Psyche, so wie sie war,
hatte bisher unter allen Wesen, welche in die Sinne fallen, (wir setzen diese
Einschränkung nicht ohne Ursach hinzu, so seltsam sie auch in anti-platonischen
Ohren klingen mag) den ersten Platz in seinem Herzen eingenommen, und er hatte,
seitdem sie von ihm entfernt war, kein Frauenzimmer gesehen, die nicht durch die
bloße Erinnerung an Psyche alle Macht über sein Herz und selbst über seine
Sinnen verloren hätte; deren Bewegungen, wie man weiß, sonst nicht immer mit den
ersteren so parallel laufen, als gewisse Romanenschreiber vorauszusetzen
scheinen. Die Wahrheit zu gestehen, so war dieses nicht die Wirkung derjenigen
heroischen Treue und Standhaftigkeit in der Liebe, welche in besagten Romanen zu
einer Tugend von der ersten Klasse gemacht wird; Psyche erhielt sich im Besitz
seines Herzens, weil ihm die Erinnerungen, die er von ihr hatte, angenehmer
waren, als die Empfindungen, die ihm irgend eine andre Schöne einzuflößen
vermocht, oder weil er bisher keine andre gesehen hatte, die so sehr nach seinem
Herzen gewesen wäre. Eine Erfahrung von etlichen Jahren beredete ihn, dass es
allezeit so sein würde, und daher kam vielleicht die Bestürzung, wovon er
befallen wurde, als der erste Anblick der schönen Danae ihm eine Vollkommenheit
darstellte, die seiner Einbildung nach allein jenseits des Mondes anzutreffen
sein sollte. Er müsste nicht Agaton gewesen sein, wenn diese Erscheinung sich
nicht seiner ganzen Seele so sehr bemeistert hätte, wie wir gesehen haben.
Niemals, deuchte ihn, hatte er in einem so hohen Grad und in einer so seltenen
Harmonie alle diese feinern Schönheiten, von denen gemeine Seelen nicht gerührt
zu werden fähig sind, vereiniget gesehen. Ihre Gestalt, ihre Blicke, ihr
Lächeln, ihre Gebärden, ihr Gang, alles hatte diese Vollkommenheit, welche
