 die Idee ausführen sollte,
die ich von einer Daphne in meiner Phantasie habe. Agaton hatte dieses kaum
gesprochen, als Danae, ohne ein Wort zusagen, aufstund, der Tänzerin einen Wink
gab, und mit ihr verschwand. In einer kleinen Weile kam die Tänzerin allein
wieder zurück, die Flöten fingen wieder an, und Apollo und Daphne wiederholten
ihre Pantomime. Aber wie erstaunte Agaton als ersah, dass es Danae selbst war,
die in der Kleidung der Tänzerin die Person der Daphne spielte! Armer Agaton!
Allzureizende Danae! Wer hätte es glauben sollen? Ihr ganzes Spiel drückte die
eigenste Idee des Agaton aus, aber mit einer Anmut, mit einer Zauberei, wovon
ihm seine Phantasie keine Idee gegeben hatte. Die Empfindungen, von denen seine
Seele in diesen Augenblicken überfallen wurde, waren so lebhaft, dass er sich
bemühte, seine Augen von diesem zu sehr bezaubernden Gegenstand abzuziehen; aber
vergeblich! Eine unwiderstehliche Gewalt zog sie zurück. Wie edel, wie schön
waren ihre Bewegungen! Mit welch einer rührenden Einfalt drückte sie den
Charakter der Unschuld aus! Er sah noch in sprachloser Entzückung nach dem Orte,
wo sie zum Lorbeerbaum erstarrte, als sie schon wieder verschwunden war, ohne
das Lob und das Händeklatschen der Zuschauer zu erwarten, welche nicht Worte
genug finden konnten, das Vergnügen auszudrücken, das ihnen Danae durch diese
unerwartete Probe ihres Talents gemacht hatte. In wenigen Minuten kam sie schon
wieder in ihrer eignen Person zurück. Wie sehr ist Kallias dir verbunden, schöne
Danae, sagte Phädrias indem sie hereintrat! Du allein konntest seinen Tadel
rechtfertigen, nur diejenige konnte es, die liebenswürdig genug ist, um die
Sprödigkeit selbst reizend zu machen. Wie sehr wäre ein Apollo zu bedauern, für
den du Daphne wärest! Es war glücklich für den guten Agaton, dass er, indem
dieses mit einem bedeutenden Blick gesagt wurde, in dem Anschauen der schönen
Danae so verloren war, dass er nichts hörte; denn sonst würde ein abermaliges
Erröten die Auslegung zu diesem Text gemacht haben. Das Lob dieser Dame, und ein
Gespräch über die Tanzkunst füllte den Überrest der Zeit aus, welche diese
Gesellschaft noch beieinander zubrachte; ein Gespräch, dessen Mitteilung uns der
Leser gerne nachlassen wird, da wir seine Begierde nach angelegenern Materien zu
befriedigen haben. Nur diesen Umstand können wir nicht vorbeigehen, dass Agaton
bei diesem Anlass auf einmal so beredt wurde, als er vorher tiefsinnig und
stillschweigend gewesen war; eine lächelnde Heiterkeit schimmerte um sein ganzes
Gesicht, und noch niemal hatte sein Witz sich mit solcher Lebhaftigkeit
hervorgetan. Er erhielt den Beifall der ganzen Gesellschaft, und die schöne
Danae selbst konnte sich nicht enthalten, ihn von Zeit zu Zeit mit einem
Ausdruck von Vergnügen und Zufriedenheit anzusehen;
