 Urbanität, die von der spröden, regelmäßigen und
manierenreichen Politesse der heutigen Europäer so sehr verschieden war, in
einem so hohen Grad als Danae selbst, besaßen. In einer Gesellschaft nach der
heutigen Art würde Agaton, in den ersten Augenblicken, da er sich darstellte,
zu einer unendlichen Menge von boshaften und spöttischen Anmerkungen Stoff
gegeben haben; allein in dieser war ein flüchtiger Blick alles, was er
auszuhalten hatte. Die Unterredung wurde fortgesetzt, niemand zischelte dem
andern ins Ohr, oder schien das Erstaunen zu bemerken, mit der seine Augen die
schöne Danae zu verschlingen schienen; kurz, man ließ ihm alle Zeit die er
brauchte um wieder zu sich selbst zu kommen, wofern sich anders dieser Ausdruck
für die Verfassung schickt, in der er sich diesen ganzen Abend durch befand.
Vielleicht erwartet man, dass wir eine nähere Erläuterung über diesen
außerordentlichen Eindruck geben sollen, welchen Danae auf unsern allzureizbaren
Helden machte; allein wir sehen uns noch außer Stand, die Neugierde des Lesers
über einen Punkt zu befriedigen, wovon Agaton selbst noch nicht fähig gewesen
wäre, Rechenschaft zu geben: Soviel können wir inzwischen sagen, dass diese Danae
dem Anschein nach niemals weniger erwarten konnte, eine solche Wirkung zu
machen; so wenig Mühe hatte sie sich gegeben, durch einen schlauen Putz ihre
Reizungen in ein günstiges Licht zu setzen. Ein Kleid von weißem Taft, mit
kleinen Streifen von Purpur, und eine halberöffnete Rose in ihrem schwarzen
Haar, machte ihren ganzen Staat aus; und von der Durchsichtigkeit, wodurch die
Kleidung der Cyane den Augen unsers Helden anstößig gewesen, war die ihrige so
weit entfernt, dass man mit besserm Recht an ihr hätte aussetzen können, dass sie
zu sehr verhüllt sei. Es ist wahr, sie hatte Sorge getragen, dass ein kleiner
niedlicher Fuß, der an Weiße den Alabaster übertraf, dem Auge nicht immer
entzogen würde; und die ganze Schönheit ihres Gesichts war nicht vermögend, den
Agaton aufmerksam zu erhalten, wenn sich dieser reizende Fuß sehen ließ, allein
dieses, und eine schneeweiße Hand mit dem Anfang eines vollkommen schönen Arms
war alles, was das neidische Gewand den vorwitzigen Blicken nicht versagte; was
es also auch sein mochte, was in seinem Herzen vorging, so ist doch dieses
gewiss, dass an der Person und dem Betragen der schönen Danae nicht das mindeste
zu entdecken war, das einige besondere Absicht auf unsern Helden hätte anzeigen
können; und dass sie, es sei nun aus Unachtsamkeit oder Bescheidenheit, nicht
einmal zu bemerken schien, dass Agaton für sie allein Augen, und über ihrem
Anschauen den Gebrauch aller andern Sinnen verloren hatte.
 
                                Fünftes Kapitel
                                   Pantomimen
Nach Endigung der Mahlzeit, bei welcher Agaton beinahe einen bloßen Zuschauer
abgegeben hatte, trat ein Tänzer und eine
