, und aus diesen in die meinige. Er nannte sich Pytokles; aber weil
ich diese Art von Namen nicht leiden kann, so hieß ich ihn Kallias, und er
verdient so zu heißen, denn er ist der schönste Mensch, den ich jemals gesehen
habe. Seine übrigen Gaben bestätigen die gute Meinung, die sein Anblick von ihm
erweckt. Er hat Verstand, Geschmack, und Wissenschaft; er ist ein Liebhaber und
ein Günstling der Musen; aber mit allen diesen Vorzügen ist er doch nichts
weiter als ein wunderlicher Kopf, ein Schwärmer und ein unbrauchbarer Mensch. Er
nennt seinen Eigensinn Tugend, weil er sich einbildet, die Tugend müsse die
Antipode der Natur sein; er hält die Ausschweifungen seiner Phantasie für
Vernunft, weil er sie in einen gewissen Zusammenhang gebracht hat; und sich
selbst für weise, weil er auf eine metodische Art raset. Er gefiel mir beim
ersten Anblick, ich fasste den Entschluss, etwas aus diesem jungen Menschen zu
machen; aber alle meine Mühe war umsonst; und wenn es möglich ist, dass er durch
jemand zu recht gebracht werden kann, so muss es durch ein Frauenzimmer
geschehen; denn ich glaube bemerkt zu haben, dass man nur durch sein Herz in
seinen Kopf kommen kann. Die Unternehmung wäre deiner würdig, schöne Danae, und
wenn sie dir nicht gelingt, so ist er unverbesserlich, und verdient nichts, als
dass man ihn seiner Torheit und seinem Schicksal überlasse.
    Du hast meinen ganzen Ehrgeiz rege gemacht, Hippias, versetzte die schöne
Danae; bringe ihn diesen Abend mit; ich will ihn sehen, und wenn er aus eben
denselben Elementen zusammengesetzt ist, wie andre Erder eine Probe machen, ob
Danae ihrer Lehrmeisterin würdig ist.
    Hippias war sehr erfreut, den Zweck seines Besuchs so glücklich erreicht zu
haben, und versprach beim Abschied, zur bestimmten Zeit diesen wunderbaren
Jüngling aufzuführen, an welchem die schöne Danae so begierig war, die Macht
ihrer Reizungen zu versuchen.
 
                                Drittes Kapitel
                          Geschichte der schönen Danae
Die Dame, mit welcher unsre Leser im vorigen Kapitel Bekanntschaft gemacht, hat
vermutlich einem guten Teil derselben nicht so übel gefallen, dass sie nicht eine
nähere Nachricht von dem Charakter und der Geschichte derselben erwarten
sollten; und wir sind desto geneigter, ihrem Verlangen ein Genüge zu tun, je
nötiger der Verfolg unsrer Geschichten zu machen scheint, dass der Leser in den
Stand gesetzt werde, der schönen Danae Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
    Die allgemeine Meinung zu Smyrna war, dass sie eine Tochter der berühmten
Aspasia von Milet sei, die, nachdem sie in ihrer Vaterstadt die Kunst der
Galanterie, wovon sie Profession machte, durch die Verbindung derselben mit der
Philosophie und den Künsten der Musen, zu jenem Grade der Vollkommenheit erhoben
hatte
