 von seiner Hochachtung
verloren hätte, zwang unsern Helden eine geraume Zeit, die Lebhaftigkeit seiner
Empfindungen in seinem Herzen zu verschließen. Danae wurde indessen mit der
Familie des Archytas bekannt, man musste sie lieben, sobald man sie sah; und sie
gewann desto mehr dabei, je besser man sie kennen lernte. Es war überdies eine
von ihren Gaben, dass sie sich sehr leicht und mit der besten Art in alle
Personen, Umstände und Lebens-Arten schicken konnte. Wie konnte es also anders
sein, als dass sie in kurzem durch die zärtlichste Freundschaft mit dieser
liebenswürdigen Familie verbunden werden musste? Selbst der weise Archytas liebte
ihre Gesellschaft, und sie machte sich ein Vergnügen daraus, einem alten. Manne
von so seltenen Verdiensten die Beschwerden des hohen Alters durch die
Annehmlichkeiten ihres Umgangs erleichtern zu helfen. Aber nichts war der Liebe
zu vergleichen, welche Psyche und Danae einander einflössten. Niemalen hat
vielleicht unter zwo Frauenzimmern, welche so geschickt waren, Rivalinnen zu
sein, eine so zärtliche, und vollkommne Freundschaft geherrschet. Man kann sich
einbilden, ob Agaton dabei verlor. Er sah die schöne Danae alle Tage; er hatte
alle Vorrechte eines Bruders bei ihr - aber wie sollte es möglich gewesen sein,
dass er sich immer daran begnügt hätte? - Es gab Augenblicke, wo er, von den
Erinnerungen seiner ehmaligen Glückseligkeit berauscht, sich die Rechte eines
begünstigten Liebhabers herausnehmen wollte. Aber Danae wurde durch den
vertrauten Umgang mit so tugendhaften Personen, als diejenigen waren, mit denen
sie nunmehr lebte, in ihrer neuen Denkungs-Art so sehr bestärkt, dass die
zärtlichsten Verführungen der Liebe nichts über sie erhielten. In diesem Stücke
wollte sie nicht mehr Danae für ihn sein. Das ist unwahrscheinlich, werden die
Kenner sagen; unwahrscheinlich, antworte ich, aber möglich. Mit einem Worte,
Danae bewies durch ihr Exempel, dass es einer Danae möglich sei; und Agaton
erfuhr es so sehr, dass Psyche endlich selbst Mitleiden mit ihm zu haben anfing.
Sie wusste die geheime Geschichte ihrer Freundin; Danae hatte Tugend genug
gehabt, ihr eine aufrichtige Erzählung davon zu machen. Die Bedenklichkeiten
sind leicht zu erraten, welche der Glückseligkeit dieser Liebenden, welche so
ganz für einander geschaffen zu sein schienen, im Wege stunden. Aber waren sie
wichtig genug, um ihrentwillen unglücklich zu sein? - Hatte er nicht das
Beispiel des großen Perikles vor sich? Verdiente Danae nicht in allen
Betrachtungen das Schicksal der Aspasia? - - Es wäre uns leicht, unsern Lesern
hierüber aus dem Wunder zu helfen; aber wir überlassen es ihnen zu erraten, was
er tat - - oder auszumachen, was er hätte tun sollen.
                                Fünftes Kapitel
                                   Abdankung
Und nun, nachdem wir in diesem letzten Buche zu Gunsten
