 Diogenes kriechen, als den
Palast, die Gärten, das Serail und die Reichtümer des weisen Hippias besitzen,
und Hippias sein.
    Immer Selbstgespräche, hören wir den Leser sagen. Wenigstens ist dieses
eines, und wer kann davor? Agaton hatte sonst niemand, mit dem er hätte reden
können als sich selbst; denn mit den Bäumen und Nymphen reden nur die
Verliebten. Wir müssen uns schon entschließen, ihm diese Unart zu gut zu halten,
und wir sollten es desto eher tun können, da ein so feiner Weltmann als Horaz
unstreitig war, sich nicht geschämt hat zu gestehen, dass er öfters mit sich
selbst zu reden pflege.
 
                                 Achtes Kapitel
                          Vorbereitungen zum Folgenden
Agaton hatte noch nicht lange genug unter den Menschen gelebt, um die Welt so
gut zu kennen, als ein Teophrast sie zu der Zeit kannte, da er sie verlassen
musste. Allein was ihm an Erfahrung abging, ersetzte seine natürliche Gabe in den
Seelen zu lesen, die durch die Aufmerksamkeit geschärft worden war, womit er die
Menschen und die Auftritte des Lebens, die er zu sehen Gelegenheit gehabt,
beobachtet hatte. Daher kam es, dass seine letzte Unterredung mit dem Hippias,
anstatt ihn etwas zu lehren, nur den Verdacht rechtfertigte, den er schon einige
Zeit gegen den Charakter und die Denkungsart dieses Sophisten gefasst hatte. Er
konnte also auch leicht erraten von was für einer Art die geheime Philosophie
sein würde, von welcher er ihm so große Vorteile versprochen hatte. Dem
ungeachtet verlangte ihn nach dieser Zusammenkunft, teils weil er neugierig war,
die Denkungsart eines Hippias in ein System gebracht zu sehen, teils weil er
sich von der Beredsamkeit desselben diejenige Art von Ergötzung versprach, die
uns ein geschickter Gaukler macht, der uns einen Augenblick sehen lässt, was wir
nicht sehen, ohne es bei einem klugen Menschen so weit zu bringen, dass man in
eben demselben Augenblick nur daran zweifeln sollte, dass man betrogen wird. Mit
einer Gemütsverfassung, die so wenig von der Gelehrigkeit hatte, welche Hippias
foderte, fand sich Agaton ein, als er nach Verfluss einiger Tage an einem Morgen
in das Zimmer des Sophisten gerufen wurde, welcher auf einem Ruhbette liegend
seiner erwartete, und ihm befahl sich neben ihm niederzusetzen und das Frühstück
mit ihm zu nehmen. Diese Höflichkeit war nach der Absicht des weisen Hippias
eine Vorbereitung, und er hatte, um die Wirkung derselben zu befördern, das
schönste Mädchen in seinem Hause ausersehen, sie hiebei zu bedienen. In der Tat
die Gestalt dieser Nymphe, und die gute Art womit sie ihr Amt versah, machten
ihre Aufwartung für einen Weisen von Agatons Alter ein wenig beunruhigend. Das
schlimmste war, dass die kleine Hexe, um sich wegen der Gleichgültigkeit zu
rächen, womit
